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Peter Iljitsch Tschaikowski

Streichquartette Nr. 1 und 2

Neues Haydn-Quartett, Budapest

Naxos 7 30099 58472 2
(67 Min., 10/1995) 1 CD

"Was, der hat auch Quartette geschrieben?" Sogar bei Musikern hört man diese Frage. Tschaikowskis drei Streichquartette sind wenig bekannt. Dabei liegt spätestens mit der Gesamteinspielung des Borodin-Quartetts eine Referenzfassung vor, deren fast verbissene Ernsthaftigkeit und Genauigkeit auch den letzten Verächter überzeugen konnte, es hier mit den vielleicht ausgefeiltesten Werken Tschaikowskis zu tun zu haben, den großen Quartetten eines Dvořák oder Brahms unbedingt zur Seite zu stellen. Wer das nicht glaubt, sollte die chromatische, spannungsgeladene Moll-Introduktion des F-Dur-Quartetts anhören. Die Borodins entwerfen ein absichtsvoll karges Geflecht schneidender Dissonanzen, das die ganze satztechnische Dichte hervortreten lässt.
Beim Neuen Haydn-Quartett klingt dieser herbe Beginn blasser und weicher, die ausdrucksvollen Schärfen werden dem rhythmisch eigentümlich instabilen Satz im Fortgang doch genommen. Auch in den Schlusstakten des Andantes, einer erregten Steigerung auf dem Orgelpunkt bleiben die Ungarn ein wenig zu unbeteiligt.
Das erste, musikantischere und konfliktärmere Quartett gerät weitaus runder. Den Kopfsatz mit seinen weit ausschwingenden Bögen und akkordischen Blöcken legen die Ungarn mit feinem Gespür für Klangwirkungen aus. Umso überraschender wirkt die ungewöhnlich fahle Lesart am Con sordino-Beginn des herrlichen Volkslied-Andantes, die dem Neuen Haydn-Quartett die wirkungsvollsten Steigerungen ermöglicht.
Mag diese Aufnahme nicht ganz auf dem Niveau der Borodins sein – ein engagiertes Plädoyer für diese Kompositionen ist sie allemal.

Matthias Kornemann, 12.10.2000



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