Channel Classics/harmonia mundi CCS SA 21704
(61 Min., 2/2004) 1 CD, SACD
Bei Tschaikowski ist ein Motiv nicht einfach ein Baustein des Themenmaterials, sondern immer gleich ein eigenes musikalisches Kleinod. Und Iván Fischer behandelt es auch so. Mal, als wenn er es mit beiden Händen ins Licht hält, mal, als wenn er es mit Fingerspitzen in Watte packt. Einige Motive (und davon gibt es nicht wenige im ersten Satz der Vierten) klingen bei Fischer wie von Ferne, als Ahnung. Was durchaus im Sinne des Komponisten gewesen sein mochte, der hier sein Leiden als Homosexueller unter einer ungewollten Ehe in Musik fasste. Seine Sehnsucht und sein Daneben-Stehen am Rande einer freudigen Festgesellschaft: Glück gibt es nur woanders, und jede zarte Erinnerung ist ein Kleinod der Seele.
Iván Fischer macht seine Sache gut. Dieser erste Satz im gleichzeitig treibenden und auf der Stelle tänzelnden 9/8-Takt ist – auch das wohl in Tschaikowskis Sinne – ein ganz, ganz großer Bogen, und das Orchester, insbesondere die Solisten im Holz, danken ihm die Ruhe mit beseelten Themenvorstellungen. Auch der dritte Satz, ein gezupftes, Eindruck schindendes Scherzo, hat Stil, obwohl man da eigentlich nicht viel falsch machen kann. Es gibt aber SACD-Aufnahmen mit mehr Wärme bei gleichzeitiger Klarheit.
Olaf Dittmann, 11.06.2005
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