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Robert Schumann

Klavierkonzert, Kinderszenen

Ivan Moravec, Tschechische Staatsphilharmonie Brünn, Václav Neumann

Supraphon/Koch 3508-2 011
(70 Min., 4/1976, 8/1987) 1 CD

Dass die Kunst des tschechischen Pianisten Ivan Moravec in Deutschland noch immer kaum gewürdigt wird, ist kaum zu fassen. Wer jemals seine legendäre Aufnahme der Chopin-Nocturnes (Nonesuch) gehört hat, wird nicht leugnen können, dass Moravec als Chopin-Interpret in unserer Zeit einzig dasteht. Auch die Aufnahme der "Kinderszenen" Schumanns ist unter die herrlichsten, sensibelsten zu reihen, die jemals von diesen Stücken gemacht wurden.
Nein, da greife ich nicht zu hoch. Dies ist Klavierspiel von atemberaubender Schönheit und Perfektion. Noch im Pianissimo bleibt Moravecs Ton klar und leuchtend. Unglaublich vollkommene Halbpedaleffekte, die das Klangbild niemals aufweichen, müssen jeden Kollegen in Ehrfurcht erstarren lassen. Das konnte nur einer zuvor: Walter Gieseking!
Moravec gibt zu, Jahre an der Erarbeitung weniger Partiturseiten zu feilen, und so gelingen ihm Augenblicke seltener Verfeinerung. Im "Kind im Einschlummern" oder "Fast zu ernst" hören wir Übergänge und zarte Umgewichtungen der Stimmen, die ihm so kein lebender Pianist nachspielen könnte. Doch diese wohl nur mit Michelangeli zu vergleichende Sehnsucht nach Vollkommenheit führt keineswegs zu verzärtelter Reihung schöner Episoden. Gerade im Schumann-Konzert (1976 aufgenommen) bemerkt man einen sehr vitalen Instinkt für die große Linie, eine perfekte Balance zwischen kostbar ausformulierten Details und männlichem Zupacken.

Matthias Kornemann, 13.09.2001



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