Responsive image
Robert Schumann

Album für die Jugend op. 68

Rico Gulda

Naxos 8.555711
(76 Min., 12/2000) 1 CD

Das „Album für die Jugend“ ist ein undankbares Programm für einen jungen Pianisten: 76 Minuten im Dienste der Vollständigkeit. Ein paar Nummern summt jeder Ex-Klavierschüler mit, den Rest kennt kein Mensch. Teilweise nicht ganz zu Unrecht, denn verglichen mit den kostbaren Miniaturen der „Kinderszenen“ sind Teile des „Albums“ harmloser Übungsstoff.
So harmlos, wie uns Rico Gulda glauben machen will, sind diese Sätze allerdings dann doch nicht. Im „Stückchen“ mit seiner primitiven einstimmigen Gesangslinie verschiebt Schumann die Phrasierungsbögen, verlagert sacht die Gewichte, ein kompositorischer Prozess, der in größeren Werken verstörende psychologische Ausdruckskraft gewinnt. Gulda nimmt alles unter einen Bogen. Bei so langatmig-langweiliger Phrasierung ohne jedes Innehalten wäre ein Sänger schon längst blau angelaufen. Im „Trällerliedchen“ dasselbe.
Gulda liest nicht sonderlich genau. Auch die Schlüsse singt er gar nicht aus. Das Ende des wunderschönen „Mai, lieber Mai“ klingt, als sei es mit dem Kuchenmesser abgeschnitten, überhaupt fehlt hier wie auch im merkwürdig synkopischen „Frühlingsgesang“ Lebendigkeit und Poesie. So hölzern-klavierstundengequält muss diese Musik nicht klingen.

Matthias Kornemann, 22.11.2001



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Ahnengalerie: Im Wien der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat man es schon schwer als Komponist. Mozart, Beethoven, Schubert – übermächtig liegt auf allen Gattungen der Glanz der Heroen, die den klassischen Kanon geschaffen hatten. Was kann man dem noch hinzufügen? Johannes Brahms, dem man oft melancholisches Zaudern unterstellte, setzte sich in Wirklichkeit besonders lange und eingehend mit diesen Vorbildern auseinander, bevor er seinen Beitrag stimmig empfand. So ist sein Werk […] mehr »


Top