Ein engelhaftes, elfenähnliches Zauberwesen der Luft muss sich den Eintritt ins Paradies erst durch "heilige" Geschenke verdienen: Das ist die Geschichte von Robert Schumanns Oratorium "Das Paradies und die Peri". Eine ferne Geschichte ist das; ein sehr fremdes romantisches Märchen, das uns heute wirklich nicht mehr interessieren müsste. Wäre da nicht die Musik. Denn Robert Schumann lässt singen, wunderschön. Dramatisch ist das (fast) nirgends, aber das Lyrische wirkt anrührend. Weil dem Komponisten das Schicksal seiner elfenhaften Heldin wirklich am Herzen lag, schrieb er Musik voller Gefühl, reihte er liedhafte Formen über Liebe, Leid und (am Ende) auch Freude derart aneinander, dass man sich dem Zauber des Gesungenen nicht entziehen kann.
Daran ändert sich auch nichts, wenn das Südwestdeutsche Kammerorchester aus Pforzheim hier vor allem in Belangen der Streicher-Homogenität und der präzisen Einsätze nurmehr mittlere Trefferquoten für sich verbuchen kann. Denn die Grundhaltung, die der Dirigent Joshard Daus dem Stück gegenüber einnimmt, ist überzeugend: ganz ruhig und mit spürbarer Lust am Verweilen beim Detail und bei feinen Nuancen des Empfindens geht er an Schumanns Partitur heran.
Simone Kermes singt die Peri sehr rein, ja oft geradezu ätherisch - und verleiht ihrer Sehnsucht nach Erlösung dennoch greifbare Kontur. Auch die weiteren Sänger - unter ihnen vor allem der Tenor Thomas Dewald und der Bass Eike Wilm Schulte - machen ihre Sache gut. Und die Europa-Chor-Akademie wagt aus einem sehr durchsichtig und einheitlich gehaltenen Chor-Tutti heraus kantige Einwürfe und sehr pointierte Kommentare. An den Solisten-Ensembles hätte man allerdings noch feilen können.

Susanne Benda, 15.08.2002



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