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Robert Schumann, Gabriel Fauré

Klavierquintette

James Ehnes, Mira Wang, Naoko Shimizu, Jan Vogler, Louis Lortie

Sony CD 93038
(60 Min., 2003) 1 CD

Wer immer die Kombination eines Streichquartetts mit einem Klavier erstmals erprobt hat (die Komponisten der Wiener Klassik taten es überraschenderweise nicht - Robert Schumann war mit seinem op. 44 zumindest einer der Ersten), er bescherte den Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts damit eine kammermusikalische Luxus-Gattung, die ein Höchstmaß einerseits an Klangfülle und andererseits an struktureller Dichte ermöglicht. Ohnehin ergänzen sich Streichinstrumente und Klavier mit ihren verschiedenen Bedingungen und Entfaltungsmöglichkeiten bei der Tonproduktion auf hervorragende Weise: Während der Klavierton nach perkussivem Beginn unweigerlich mehr und mehr verklingt, vermögen Streicher ihren Ton quasi aus dem Nichts entstehen zu lassen und ihn dynamisch frei zu entwickeln. Aus diesen Prädispositionen ergibt sich eine Art des Klavierquintett-Satzes, die Gabriel Fauré häufig verwandte und auch in seinem Klavierquintett Nr. 2 op. 115 einsetzte: Das Klavier webt mittels einer ständig wiederholten Spielfigur einen harmonischen Teppich, auf dessen Basis sich die Streicher entweder en bloc oder abwechselnd entfalten. Während hierbei das Klavier auch das motorische Agens ist, so lässt es sich im umgekehrten Fall vom stringenten Legato der Streicher mitziehen und fügt sich in deren Klangwogen mit seinen zwangsläufig flüchtigeren Kommentaren. Als Gabriel Fauré für sein zweites Klavierquintett 1921 vom begeisterten Uraufführungspublikum gefeiert wurde, litt er bereits stark unter seiner Ohrenerkrankung und war sich wahrscheinlich bewusst, dass seine Musik, zumindest ihrer äußeren Gestalt nach, eine inzwischen vergangene Zeit besang.
Die Musiker der vorliegenden Aufnahme, darunter Jan Vogler, Mira Wang und Louis Lortie, musizieren den Fauré mit gutem Gespür für die klanglichen Möglichkeiten dieser Musik, ohne dabei die strukturellen Raffinessen außer Acht zu lassen. Damit werden sie Gabriel Fauré in doppeltem Sinne eigentlich vollkommen gerecht, auch wenn sie nicht ganz den atmosphärischen Zauber der Einspielung Jean Hubeaus mit dem Quatuor Via Nova (Erato) erreichen (so luftig und geisterhaft wie Hubeau hat wohl kaum ein anderer je die rasenden Läufe des Klaviers im Scherzo gespielt). Schumanns Quintett gelingt auf dieser CD im Grunde noch besser als der Fauré: Die in diesem trotz genuin romantischer Provenienz deutlich irdischeren Stück geforderte prägnante und lebendige Gestaltung kleinerer musikalischer Bögen liegt den Musikern wahrlich im Blut.

Michael Wersin, 18.10.2003



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