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Robert Schumann

Die Lieder von Robert Schumann Vol. 8

Christopher Maltman, Jonathan Lemalu, Mark Padmore, Graham Johnson

Hyperion/Codaex CDJ33108
(77 Min., 11/2002, 12/2002) 1 CD

Hier wird der Sinn einer Gesamtaufnahme aller Lieder Robert Schumanns erst so richtig deutlich: In der achten Folge bietet Initiator und Pianist Graham Johnson eine Menge unbekannter Lieder aus den Jahren 1827 und 1828. Im Beiheft schreibt er, der "stolze Besitz" der dreibändigen Peters-Ausgabe (auch der Rezensent zog diese gleich irritiert und vergeblich zu Rate) biete hier keinerlei Hilfe und mahnt eine Neuausgabe auch der frühen Lieder an (Johnson stützt sich u. a. auf die Gesamtausgabe von 1933) - recht hat er, denn es gibt in diesem frühen Repertoire, entstanden noch zu Lebzeiten Franz Schuberts, einige Perlen zu entdecken, die bislang wohl kaum einen Liederabend zierten: Die aufgewühlte Vertonung von Goethes "Der Fischer" etwa oder das wundervoll lyrische "Gesanges Erwachen" nach Kerner. Der erste Teil des Programms dieser CD gehört fast ausschließlich Mark Padmore und seiner typisch britischen, also mit hohem Kopfstimmanteil entsprechend ätherisch geführten Tenorstimme. Metallische Spitzentöne vermisst man in diesen Liedern nirgends, und daher erscheint Padmores sensible Darbietung durchweg recht passend; auch an seiner Aussprache gibt es wenig auszusetzen.
Der zweite Teil des Programms besteht aus dem Liederzyklus op. 24 nach Gedichten von Heinrich Heine, gesungen von Christopher Maltman. Er beherrscht das breite Ausdrucksspektrum zwischen introvertierter Zartheit ("Ich wandelte unter den Bäumen") und aufgebrachter Extraversion (“Warte, warte, wilder Schiffmann”) mit großer Differenziertheit und überzeugender stimmlicher Präsenz.
Der letzte Abschnitt dieser interessanten Sammlung führt zumindest partiell wieder in bekannteres Gefilde: "Der frohe Wandersmann" nach Eichendorff oder "Die rote Hanne" nach Béranger, hier mit den eigentlich vorgesehenen, aber selten zu hörenden Chor-Einwürfen eingespielt, dürften so manchem Liederabendbesucher schon einmal begegnet sein. Hier kommt nun Jonathan Lemalu mit seiner dunklen, etwas rauchigen Baritonstimme optimal zur Geltung. Graham Johnson schließlich fungiert einmal mehr nicht nur als versierter Liedbegleiter, sondern auch als Verfasser eines äußerst umfangreichen und informativen, aus Platzgründen aber (bis auf die deutschen Liedtexte) nur in englischer Sprache gehaltenen Beihefts.

Michael Wersin, 07.02.2004



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