home

N° 1220
25.09. - 01.10.2021

nächste Aktualisierung
am 02.10.2021



Responsive image
Robert Schumann

Dichterliebe & Kerner-Lieder

Ulf Bästlein, Stefan Laux

Hänssler classic/Naxos 98.452
(72 Min., 7/2003) 1 CD

Ein disparates, ja eigentlich leider ein vorwiegend negatives Bild bietet die vorliegende Neueinspielung von Robert Schumanns "Dichterliebe" sowie des Kerner-Zyklus op. 35 und einiger ausgewählter Gesänge. Ähnlich wie Andreas Schmidt bevorzugt Ulf Bästlein die tiefe Notenausgabe dieser Lieder (während Bariton-Kollegen wie Fischer-Dieskau, Gerhaher oder Henschel die im Charakter der originalen Tenorlage verwandtere mittlere Ausgabe verwenden); anders als Schmidt in seiner besten Zeit verfügt Bästlein aber nicht über jene klare Strahlkraft und kopfig-helle Durchmischung auch der Mittellage, die vor muffig-mattem, gedecktem Klang und daraus resultierender Einschränkung der Ausdruckspalette bewahrt. Dadurch fehlt etwa dem aus der originalen hohen Lage eine Quart nach unten transponierten ersten Lied der Dichterliebe jeglicher zart-sensible Voix-mixte-Zauber, den der Hörer hier zu Recht erwartet; vielmehr muss man gerade diese Nummer vor allem auf Grund der trotz tiefer Lage harschen, unfokussierten Strophenschlüsse als misslungen betrachten. Dazu trägt hier auch das uninspirierte, rhythmisch wie agogisch starre und klanglich eindimensionale Spiel von Stefan Laux bei, der mit dem fragilen Gewebe des Klaviersatzes offenbar nicht viel anfangen kann. Die Klage über Laux’ mäßige Leistung an dieser Stelle wäre vielleicht moderater ausgefallen, wenn er sich nicht im weiteren Verlauf des Zyklus auch noch grob falsche Töne leisten würde: Am Ende des ersten Teils von "Ich will meine Seele tauchen" kommt es in der Mittelstimme zu hässlichen Dissonanzen, die keineswegs in den Noten stehen; in "Das ist ein Flöten und Geigen" stören falsche Akkorde - da hat auch der Tonmeister geschlafen.
Als vergleichsweise gut geglückt wären in diesem Rahmen u. a. "Hör’ ich das Liedchen klingen" (hier wagt Bästlein doch einmal eine schwerelos-gemischte Stimmgebung) oder "Die alten, bösen Lieder" (wo Bästlein mit sonorer, offener Tiefe zu glänzen vermag) aus der "Dichterliebe" oder das angenehmerweise maßvoll pathetisch vorgetragene "Wanderlied" aus dem Kernerzyklus zu nennen. Insgesamt jedoch überwiegen beim Hören dieser Produktion Irritation und Verwunderung.

Michael Wersin, 16.10.2004



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Sanfter Umbruch: Die Jahre als Kapellmeister beim Fürsten Ésterhazy weiß Joseph Haydn als Experimentierfeld zu nutzen. Das zeigen nicht nur seine fast planvollen Erprobungen im Bereich der Sinfonie, deren weltweit geschätzter Könner er werden wird, sondern auch die solistischen Einsätze und in diesen Jahren entstandenen Solokonzerte. Wie auch Mozart kannte Haydn die Solisten, für die er schrieb alle persönlich, es waren meist seine Kollegen in der Hofkapelle. Die beiden überlieferten […] mehr


Abo

Top