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Clara Schumann, Robert Schumann, Johannes Brahms

Liederkreis op. 24, Deutsche Volkslieder u.a.

Werner Güra, Christoph Berner

harmonia hundi HMC 901842
(11/2003) 1 CD

Muss man den Wahnsinn lieben, um ein vollendeter Schumann-Interpret zu sein? Hört man dem Tenor Werner Güra zu, dann scheint seine Antwort "Nein" zu lauten. Emphase im Ausdruck - ja; vielleicht auch ein genussvoll gedehnter Vokal, wenn das klopfende Herz mit einem hämmernden Sargtischler verglichen wird. Aber die überspannte Lust, mit der sich Schumann und Heine künstlerisch im Erlebnis der Hoffnungslosen badeten, scheint Güras Sache nicht zu sein. Nun bedeutet Schumann ja nicht automatisch Robert. Auch Ehefrau Clara päppelte in der Wiege ihrer Liebesleiden etliche hörenswerte Lieder hoch, die sich durch einen etwas verbindlicheren, aber keinesfalls seichten Salonton auszeichnen. Hier wirkt Güra deutlich authentischer und mit seiner minutiös ausgefeilten, glasklaren Diktion gelingt es ihm sogar, den nicht ganz so pointierten Texten von Friedrich Rückert und Hermann Rollett zusätzliche Kontur zu verleihen. Wie in der Wirklichkeit weist sich auch auf dieser CD - die im Beiheft die Beziehungen zwischen ihren drei komponierenden Protagonisten anhand von prägnanten Briefzitaten auslotet - letztlich die Verbindung zwischen Clara Schumann und Johannes Brahms als die glücklichere. Denn auch in Brahms' deutschen Volksliedern wirkt der Abstand zwischen dem Erleben des Komponisten und dem Werk größer und so darf Güra bei aller Bewegtheit doch auch immer Vortragender bleiben. Die sympathische Verbindlichkeit, die in seinem Ausdruck liegt und die vermutlich seine Live-Auftritte zu intensiveren Erlebnissen macht als das einsame CD-Hören, kommt dabei dem koketten Liebeswerben um schöne Schäferinnen mehr zu Gute als dem düsteren "Schwesterlein"-Dialog. Makellos ist bei Güra der Ausgleich zwischen hellem Kopf und sonorem Bauch in jedem Falle in seiner immer leicht und weitgehend mühelos geführten edlen Stimme. Diese harmoniert auch auf das Beste mit dem Klang des von Christoph Berner feinsinnig und poetisch gespielten historischen Ehrbar-Flügels aus dem Jahr 1878, der sich trotz seiner modernen Mechanik ein wenig von den glockigen, farbigen Untertönen der Wiener Hammerflügel bewahrt hat.

Carsten Niemann, 30.10.2004



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