Responsive image
Giuseppe Verdi

Arien

Jewgenij Dmitriew, Tschechische Staatsphilharmonie Brünn, Christian Arming

Arte Nova/BMG 74321 57395 2 
(51 Min., 1/1998) 1 CD

Mag sein, dass ein “Tribut an Verdi” die Anbiederung im Beiheft nötig hat (“Ein Kaleidoskop von Liebe, Eifersucht, Hass, Trauer - ein Querschnitt menschlicher Leidenschaften, in unvergessliche Melodien gefasst, die Operngeschichte geschrieben haben”). Aber erstens ließe sie sich kürzer fassen (etwa: “Hollywood meets Verdi”), zweitens wird sie dem beachtlichen Niveau der beiden jungem Musiker, die hier die Karten gut und abwechslungsreich miteinander mischen, nicht gerecht.
Christian Arming überrascht schon in der Luisa-Miller-Ouvertüre mit Gespür für Melos und dramatische Farben. Hört man die Feinarbeit, die der Fünfundzwanzigjährige im Verbund mit der Tschechischen Staatsphilharmonie aus Brünn dem Vorspiel zum dritten Traviata-Akt angedeihen lässt, so bedarf es keiner großen Weitsicht, wenn man dem “jüngsten Chefdirigenten Österreichs” auch außerhalb seiner Heimat eine gefeierte Zukunft voraussagt.
Die hat für Jewgenij Dmitriew seit 1992 mit seinem Debüt am Moskauer Stadttheater und 1995 mit seinem Engagement an der Wiener Staatsoper schon begonnen. Sein Bariton besitzt alles, was das lyrisch-dramatische Herz begehrt: ein sonores Fundament, kernige Mittelregister und vor allem mächtige Höhen (letztere erhalten mitunter ein Quantum forciertes Tremolo zuviel). Dmitriew weiß kraftvolle Legatobögen zu spannen (im “Trovatore”), mit echtem Pathos zu ergreifen (“Di provenza il mar” aus “La Traviata”) und nicht zuletzt mit sanften Registern einzunehmen; dabei verwechselt er Schmelz nicht mit Schmalz. Im übrigen erinnert sein Timbre an Hermann Prey und dessen Glanzzeit. Auch keine schlechten Aussichten.

Christoph Braun, 31.03.1998



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Ahnengalerie: Im Wien der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat man es schon schwer als Komponist. Mozart, Beethoven, Schubert – übermächtig liegt auf allen Gattungen der Glanz der Heroen, die den klassischen Kanon geschaffen hatten. Was kann man dem noch hinzufügen? Johannes Brahms, dem man oft melancholisches Zaudern unterstellte, setzte sich in Wirklichkeit besonders lange und eingehend mit diesen Vorbildern auseinander, bevor er seinen Beitrag stimmig empfand. So ist sein Werk […] mehr »


Top