So wenig wie ihre Alt-Kolleginnen dürfen und können Bässe den Helden markieren. Dies bleibt bekanntlich den sich aufplusternden Tenören und hysterischen Sopranen vorbehalten. Propheten, Hohepriester, Vaterfiguren aller Art, großherzige Patrioten, aber auch rachsüchtige, schwarze Charaktere: Sie sind den profunden Mannsbildern vorbehalten.
Prototypisch ist das an Verdis Rollenvorgaben zu studieren. Und da zeigt der 1963 im bayerischen Eichstätt geborene, bei Hans Hotter und Erik Werba ausgebildete Franz Hawlata, welche Vielfalt dieser schwergewichtige Verdi-Typus parat hält. Auch wenn man Hawlatas Stimme nicht gerade „schwarz“, höllenabgründig tief nennen kann: Sie hat Volumen und einen kräftigen Kern, wohingegen die Höhen nicht ohne manchen Klimmzug gemeistert werden. Das Timbre ist eher weich, die Stimmführung eminent kultiviert und vibratoreich.
Damit ist Hawlata mehr für die „sonor-väterlichen“ Typen denn für die Bösewichter der ideale Tongeber: Man nimmt ihm sofort den hoffnungsvollen, um Beistand bittenden Hohepriester Zacharias aus „Nabucco“ oder auch den innerlich gebrochenen alten Philip aus „Don Carlos“ ab, während der zynische Nihilist, Menschenfeind und Intrigant Jago etwas brav bleibt. Verdis dämonische, illusionslose Menschenzeichnung bleibt hier also unterbelichtet. Helmut Froschauers wenig kantiges WDR-Dirigat hat hieran seinen Anteil. Gleichwohl: Hawlatas profunder Bass-Karriere wird dies keinen Abbruch tun, dafür hat seine Stimme zu viel andere, nicht minder begehrte Entfaltungsmöglichkeiten, auch bei Verdi.

Christoph Braun, 30.04.1999



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