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N° 1236
15. - 21.01.2022

nächste Aktualisierung
am 22.01.2022



Es sind nur Happen und Häppchen; aber die sind vom feinsten, was derzeit auf dem Markt der Operndiven zu hören ist. Normalerweise sucht man diese Spezies in lyrischer oder dramatischer Sopran- oder ähnliche Schubladen zu kategorisieren. Die Rumänin Angela Gheorghiu macht sich (fast) alle Fassetten von Verdis Sopran-Rollen zu eigen - und sie darf es. Denn die leichten, quirligen Höhen stehen ihre ebenso zu Gebote wie die leidenschaftlichen Tiefen. Und nur wer die metallene Glut der Callas als Maßstab anlegt, kann mangelnde Substanz im Mittelregister einklagen. Dafür besitzt Angela Gheorghiu eine noch immer eine hinreißend schöne, natürlich gebliebene Stimme. Wie famos dabei ihre Technik, besonders ihre Koloratur-Kunst herangereift ist, zeigt beispielhaft die Bolero-Arie aus der "Sizilianischen Vesper".
      Vor allem nimmt Gheorghius Bühnenpräsenz, die Wahrhaftigkeit ihrer Gilda, Aida und Desdemona gefangen - als lauschten ihr nicht kalte Studio-Mikrofone, sondern das Scala-Publikum. Was immer sich hinter dem Mailänder Giuseppe-Verdi-Orchester verbirgt - vermutlich Musiker des dortigen Konservatoriums - die Begleitpräzision, die Riccardo Chailly den Milanesen abverlangt, vibriert geradezu vor Spannung.

Christoph Braun, 29.06.2000



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