An der Stätte der Schmach versammeln sich Verlobter, Liebhaber und Vater der Braut, begleitet von einem Chor erschütterter Lakaien. Denkt man - denn so klingt, was Verdi 1832 in Mailand komponierte. Falsch gedacht: "Laudate pueri" heißt das Stück, es ist eine Vertonung des 112. Psalms und mithin ein Lobgesang Gottes. Sein Schicksal, weltlich zu klingen und dabei doch ein sakrales Werk zu sein, teilt es mit der kirchenmusikalischen Hinterlassenschaft des Komponisten, dem es stilistisch nacheifert: Rossini.
Der italienische Musikwissenschaftler Dino Rizzo hat das "Laudate pueri" zusammen mit den etwa zur gleichen Zeit entstandenen Einzelsätzen "Qui tollis" und (gleich zweimal) "Tantum ergo" sowie der 1833/1835 komponierten Messa solenne gefunden und herausgegeben; seine kritische Edition liegt dieser Ersteinspielung der Werke zu Grunde.
Vor allem die Messe kann man, obwohl sie nicht vollständig überliefert ist, in ihrem weichen, oft schon von Bellini beeinflussten Duktus durchaus als Bereicherung des Repertoires empfinden. Die Aufführung selbst ist indes nicht über alle Zweifel erhaben. Zwar sucht und findet Riccardo Chailly genug Möglichkeiten, das dramatische Potential der Partitur auszureizen, doch können ihm zumal die singenden Mitwirkenden der Produktion dabei nicht immer auf befriedigende Weise folgen. Bis auf die Sopranistin Cristina Gallardo-Domâs gehen die Leistungen der Solisten nirgends über Mittelmäßiges hinaus; der Chor singt insgesamt rhythmisch nicht pointiert und in der Artikulation nicht präzise genug, und insgesamt scheint jede Fioritur ein Blümchen zuviel zu sein. Enttäuschend.

Susanne Benda, 01.02.2001



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