Auch diese Einschmelzung der Breitwand-Inszenierung des "Rigoletto" aus der Arena von Verona auf DVD-Format kann es nicht leugnen: Opern, die auf Bühnen-Effekte und auf die Wirkung auch einer gewissen Masse an Personal bauen, sind für den filmischen Zoom auf Gesichter und Gesten grundsätzlich nicht gemacht. Zudem verlässt - wer hätte es in Verona auch anders erwartet? - Charles Roubaud den Rahmen des Althergebrachten nicht.
Doch sieht man einmal von jenen Momenten ab, in denen die singenden Akteure die darstellerische Ebene verlassen, um ihre Vokalisen durch einen intensiven Blickkontakt mit dem Dirigenten abzusichern, und abstrahiert man außerdem von der Tatsache, dass die Sänger oftmals nicht dicht und direkt genug mikrofoniert wurden, dann enthält diese Produktion doch etliches Schöne.
Dass sich dieses Schöne maßgeblich am hässlichen Helden festmachen lässt, ist nur ein scheinbarer Widerspruch: Schließlich steht und fällt diese Oper mit der Glaubwürdigkeit dessen, der hier vorführen und erleiden muss, wie das Äußere ins Innere dringen und wie emotionales Handeln zum Bumerang werden kann. Der sattsam rollenerfahrene Leo Nucci macht das hier, auch wenn seine Stimme nicht mehr jede Nuance des Ausdrucks mitvollzieht, ganz hinreissend. Sein Leiden greift wirklich ans Herz - nicht zuletzt auch deshalb, weil Marcello Viotti das Orchester dazu motiviert, ihn nicht nur glutvoll, sondern auch ganz erstaunlich filigran und durchsichtig zu begleiten.
Aquiles Machado ist kein Vorwurf zu machen: Er singt Tenor, wie ein Tenor dem Klischee nach singen und sich selbst darstellen muss - und zum Herzog von Mantua könnte ja tatsächlich nichts besser passen. Mario Luperi ist ein überzeugend düsterer Sparafucile, Inva Mula eine gute, wenngleich in der Höhe gelegentlich leicht gefährdete Gilda. Leider geht dem Monterone Giuseppe Rivas das Dämonische ab. Doch wer glaubt heute schon noch an die magische Kraft des Fluchens?

Susanne Benda, 02.05.2002



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