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Giuseppe Verdi

La traviata

Eva Mei, Piotr Beczała, Thomas Hampson, Orchester der Oper Zürich, Franz Welser-Möst

Arthaus/Naxos 101 247
(128 Min., 2005)

"La traviata" gehört zu den weltweit am häufigsten gespielten Opern, kein deutsches Stadttheater versäumt es, den Verdi-Hit regelmäßig auf den Spielplan zu setzen. Warum sollte man sich dennoch eine Video-Konserve des Meisterwerks kaufen? Vielleicht, weil die DVD tolle Extras bietet, Interviews mit den Sängern, ein "making of", eine Dokumentation über die bisherige Arbeit des Regisseurs oder Dirigenten. Nichts davon hat diese "Traviata". Es ist der "nackte" Live-Mitschnitt einer Aufführung aus Zürich vom Sommer 2005. Ein anderer Kaufanreiz könnte eine Inszenierung sein, die ganz neue Deutungsfacetten erschließt. Doch Jürgen Flimm zeigt nur inspirationsfreies Handwerk: "Stehen Sie bequem", lautet das Motto für die Sänger. Nicht eine Handbewegung, nicht eine Körperdrehung geht über das Erwartbare hinaus. Bleibt die musikalische Seite: Es wird ansprechend auf hohem Niveau gesungen, Franz Welser-Möst leitet umsichtig durch den Abend. Als Audio-CD hätte diese Aufnahme durchaus eine Chance auf dem Markt. Optisch allerdings sind die Protagonisten, mit Verlaub, eine Katastrophe: Eva Mei wirkt mit ihrer explodierten Dauerwelle aus wie die gelangweilte Gattin eines neureichen Russen, Piotr Beczala verströmt den Charme eines Vertreters für Damenobertrikotagen und Thomas Hampson, der George Clooney der Opernwelt, sah wohl noch nie so spießig aus wie hier als père Germont.

Frederik Hanssen, 11.03.2006



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