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N° 1253
14. - 20.05.2022

nächste Aktualisierung
am 21.05.2022



Wer bereit ist, gewisse Einschränkungen der Ton- und Bildqualität - einschließlich dem auf DVD konservierten gelegentlichen Leiern des Originalbandes - in Kauf zu nehmen, der erlebt einen wahrhaft furiosen Falstaff mit einer Traumbesetzung, die sich in weiten Teilen zusammensetzt aus den Spitzenkräften der legendären RAI-CD-Produktion unter Rossi von 1949 (Opera d’Oro/SunnyMoon) und Karajans Wiener Falstaff von 1956, der von EMI auf CD festgehalten wurde: Giuseppe Taddei befindet sich hier auf dem Höhepunkt seiner stimmlichen Möglichkeiten und versteht den feisten Fettwanst Falstaff auch szenisch nuancenreich zum Leben zu erwecken. Die kürzlich verstorbene Anna Moffo präsentiert sich als reizende Nannetta, umworben von Luigi Alva als Fenton, dessen Gesang von makelloser Schönheit ist. Rosanna Carteri, Anna Maria Canali und Fedora Barbieri als Alice, Meg und Mrs. Quickly bilden ein furioses Trio eifernder, geifernder, übermütiger Damen mit Haaren auf den Zähnen, deren aufgeregt-intrigantes Geschwätz bei ungebrochener idiomatischer Kompetenz - alle drei sind Italienerinnen - eine einzige Freude ist. Scipione Colombo, ein nur spärlich auf Tonträgern festgehaltner Bariton, gibt einen in jeder Hinsicht überzeugenden Ford ab. Die hohe Qualifikation setzt sich fort bis in die kleineren Partien: Falstaffs Faktoten Bardolfo und Pistola werden von einem erstklassigen Komödiantenpaar (Renato Ercolani und Franco Calabrese) dargestellt, bei dem jede Geste sitzt. Das ganze Spektakel, der Zeit gemäß konservativ, aber mit brillanter Personenführung inszeniert von Herbert Graf, wird geleitet von Tullio Serafin - was will man mehr?

Michael Wersin, 13.05.2006



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