home

N° 1260
02. - 08.07.2022

nächste Aktualisierung
am 09.07.2022



Responsive image
Antonio Vivaldi

Die vier Jahreszeiten

Gottfried von der Goltz, Freiburger Barockorchester, Andrew Lawrence-King, The Harp Consort

DHM/BMG 05472 77384 2
(66 Min., 12/1996) 1 CD

Eigentlich ist für eine Aufstockung der momentan gut achtzig (!) Aufnahmen der "Vier Jahreszeiten" kein plausibler Grund mehr vorstellbar. Dass das Freiburger Barockorchester bei seiner Annäherung ganz jenseits spektakulärer Manierismen jetzt doch noch zu überzeugenden Ergebnissen gelangen konnte, liegt vor allem an der Unterstützung, welche die Continuo-Gruppe hier durch die Mitglieder des Harfenconsort erfährt.
Zu welch frappierenden Ergebnissen die Ergänzung der traditionellen Bassinstrumente durch Harfe, Leier, Lauten und Barockgitarren gelangt, hört man besonders gut im ersten Satz des Winter-Konzertes. Gemeinsam ist den beiden hier zusammengeschweißten Ensembles ein sehr waches, im Detail überaus bewegliches (Re-)Agieren, viel Lust am sinnlichen Auskosten von Kontrasten in der dynamischen, artikulatorischen und agogischen Gestaltung.
Hinzu kommt ein ausgeprägter Sinn für die eminente Bildlichkeit von Vivaldis musikalisierten Jahreszeiten-Impressionen, der sich besonders sprechend und eindringlich im Sommer-Konzert austobt: Da legt der Solist und Konzertmeister der Freiburger, Gottfried von der Goltz, seine Geigen-Phrasen in perfekter darstellerischer Mimikry so träge, schweißtriefend und hitzemüde hin, wie ich sie sonst noch nirgends je gehört habe.
Im dritten Sommer-Satz verleiht das Orchester dann dem Gewittersturm mit präzise gesetzten Crescendi die gehörige Zerstörungswut; im Herbst wird anschließend weidlich der farbigen Schönheit des Vergänglichen gehuldigt, und vor allem im ersten Satz des Winter-Konzertes beweisen die Freiburger erneut, zu welch variablen klangfarblichen Möglichkeiten ihre Streicher fähig sind. Da die Sonette, auf die sich Vivaldis Musik bezieht, den theatralischen Zugriff der Aufnahme maßgeblich prägten, hätte man sie besser an den Anfang der jeweiligen Konzerte statt ans Ende der CD stellen sollen.

Susanne Benda, 28.02.1998



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Traditions-Linien: Mit seiner „Lachrimae“-Pavane habe John Dowland nicht nur ein exzellentes Musikstück für Laute komponiert, sondern einen sinnierenden, wehmütigen und nachhorchenden Ton angeschlagen, der für mehrere Jahrhunderte im Lautenrepertoire den Stil vorgegeben hat, ist sich der baskische Lautenist Enrique Solinís sicher. So nennt er sein neues Album „Ars Lachrimae“, hat aber nicht Dowland eingespielt, sondern den Blick auf seine Nachfolger gelegt. Zwei Suiten von Johann […] mehr


Abo

Top