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Antonio Vivaldi

Violinkonzerte op. 6, Violinkonzert RV 335 "Der Kuckuck"

Andrew Manze, Academy of Ancient Music, Christopher Hogwood

Decca 455 653-2
(59 Min., 7/1996) 1 CD

Vivaldis Konzerte op. 6 zählen nicht unbedingt zu seinen bekanntesten und beliebtesten Werken. In ihrem musikalischen Gehalt und expressiven Charakter wirken sie eher bescheiden, und manche Schönheit (für mich vor allem: manche Schönheit der hier oft nur mit Solovioline und Continuo besetzten langsamen Sätze) erschließt sich erst bei genauerem Hinhören. Dabei befinden sich die sechs Konzerte bei Christopher Hogwood in den besten Händen. Denn der treibt seine Academy of Ancient Music ganz bewusst zu einer klanglichen und agogischen Schärfung, ja zur Theatralisierung des Notentextes an. Wo auch immer sich Möglichkeiten gestischer Betonungen (vor allem über Kontrastwirkungen beim Tempo und bei der Dynamik) bieten, werden sie weidlich ausgekostet.
Das gilt auch für den Solisten Andrew Manze. Der tritt hier allerdings vor allem als eine Art Primus inter pares auf, was einerseits sympathisch wirkt, andererseits aber auch ein bisschen nach übertriebenem Understatement riecht. Schließlich wäre es historisch auch legitim, wenn Manze den virtuosen Zierrat, den diese Konzerte zumindest teilweise enthalten, auch füllen würde. Doch mäkeln wir nicht hierüber. Entscheidender sind andere Fragen. Zum Beispiel die, warum das dem op. 6 auf dieser CD angefügte Violinkonzert RV 335 den Untertitel "Der Kuckuck" trägt, obwohl beim entscheidenden Vogelruf keine Terz, sondern eine Quarte erklingt. Musikologische Pfadfinder haben hier Spuren nach Italien ausgemacht, wo eine Handschrift desselben Stücks unter dem Titel "Die Nachtigall" erschien. Woraus wir entweder schließen können, dass die Vogelkunde im mediterranen Raum nicht besonders hoch entwickelt ist. Oder - wohl wahrscheinlicher - dass Vivaldi eine differenzierte Betrachtung der Vogelwelt ziemlich piepegal war.

Susanne Benda, 17.08.2000



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