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Antonio Vivaldi, Carlo Farina

Violinkonzerte RV 581, 277, 180, 551, 128; Capriccio Stravagante

Giuliano Carmignola, Sonatori de la Gioiosa Marca

Divox Antiqua CDX 7 619913 598035
(66 Min., 1999) 1 CD

Hätte Adorno Giuliano Carmignolas Vivaldi-Aufnahmen gekannt, er hätte wohl kaum von der barocken Fließbandproduktion gesprochen, die Vivaldi und andere Kollegen des Barockzeitalters der Nachwelt hinterlassen haben. Denn dann hätte er mit Staunen registrieren können, was Vivaldis Concerti an Fantasie, an Überraschungen und auch Gefühlsnuancen bereithalten. Der Interpret muss diesen Reichtum nur zum Leben erwecken.
Und da gibt es derzeit kaum einen, der mit dem jungen Geigenvirtuosen aus Treviso mithalten kann. Es ist nicht so sehr die (selbstverständlich gewordene) Virtuosität der Ecksätze; es ist vielmehr die Detailarbeit: die Temposchwankungen, die subtil ausgekosteten Ritardandi, die plötzlichen Sechzehntelkaskaden, die sein Spiel so aufregend machen und die hier in einem "Extrakt" seiner bisherigen Vivaldi-Aufnahmen zu hören ist. Die langsamen Mittelsätze verströmen jenen Duft venezianischer Grandezza, mit dem wir die historische Lagunenstadt so gerne assoziieren. Ihn verdankt man vor allem auch der warm und sonor klingenden Begleitung, die die "Sonatori de la Gioiosa Marca" beisteuern. Apropos: Jenes barocke Venedig muss nicht nur ein weltläufig-fürstliches Flair gehabt haben; auch das Verträumte, Melancholische und das Skurril-Groteske à la Carnavale muss hier einmal zu Hause gewesen sein. Carlo Farinas "Capriccio Stravagante" ist jedenfalls ein Anschauungsbeispiel der unterhaltsamsten Art, und das Spiel der "Sonatori" mit Glissandogeheul, Veitstanz und wehmütiger Trauer so "extravagant" wie es der Titel dieser siebzehnminütigen Zugabe verspricht.

Christoph Braun, 26.10.2000



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