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Antonio Vivaldi

6 Flötenkonzerte op. 10

Daniel Rothert, Kölner Kammerorchester, Helmut Müller-Brühl

Naxos 8.551093
(47 Min., 6/2001) 1 CD

Wollte man eine Beliebtheitsskala der populärsten Vivaldi-Stücke aufstellen, kämen die "Vier Jahreszeiten" - wie jeder weiß - ganz nach oben. Dann käme eine Weile nichts, und dann wären wahrscheinlich die Flötenkonzerte op. 10 dran; mindestens das dritte Konzert "Il cardellino" daraus (das mit der piepsigen Piccoloflöte) und das erste, das laut Titel ("La tempesta di mare") einen Meeres-Sturm illustriert. Um so vorsichtiger war ich, als ich diese CD auflegte. Man hat das alles schon so oft gehört ...
Aber: Überraschung! Schon im ersten Satz der "Tempesta" rüttelte mich die beeindruckende Mischung von virtuoser Rasanz und Detailreichtum auf. Sofort nahm ich mir das Beiheft, um mehr über den Solisten Daniel Rothert zu erfahren. 1975 geboren, mit fünfzehn Jahren Schüler bei internationalen Meisterkursen - und angesichts der raffinierten Artikulation, der fein ausgehörten Phrasen bei gleichzeitiger fingerbrechender Behendigkeit ohne Zweifel ein Riesentalent.
Der Eindruck blieb die ganzen sechs Konzerte über bestehen: Auch das illustrative Konzert Nr. 2 ("La Notte"), das ich wie die anderen fünf oft in Alte-Musik-Einspielungen gehört habe, klingt hier frisch, neu, gut ausgehört - ein gelungenes Beispiel dafür, dass Vivaldi noch immer hoffnungslos unterschätzt wird. Interessant ist, dass Rothert, streng genommen, teilweise zum falschen Instrument greift: Vivaldi hat die Stücke ausdrücklich für die Querflöte geschrieben, doch Rothert hat sich (im Beiheft dokumentiert) sein eigenes Bild über die Instrumentenwahl gemacht, das vielleicht nicht musikwissenschaftlich, aber musikalisch absolut überzeugt.
Das Lob gilt auch für das Kölner Kammerorchester: Gerade der von Kritikern so oft angekreidete dünne Orchestersatz Vivaldis erweist sich dank Müller-Brühls tiefem Verständnis für die Partituren als kunstvoll-ökonomisches Gebilde, das mit Anwendung der vielfältigen Streicherklangfarben die ganze Regenbogenpalette bietet. Glasklares Fazit: Die beste Aufnahme, die man derzeit von Vivaldis op. 10 bekommen kann.

Oliver Buslau, 20.12.2001



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