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Antonio Vivaldi

L’Olimpiade

Sara Mingardo, Laura Giordano u.a., Concerto Italiano, Rinaldo Alessandrini

Opus 111 / Helikon Ops 30-316
(163 Min., 7/2002) 3 CDs

Der Sturm ist gar keiner (sondern die Ansicht eines engen Tales). Rinaldo Alessandrini formt die Ouvertüre zu Vivaldis Olympiaden-Oper nur so, als ob die kretischen Winde mächtig bliesen: Kunstvoll, mit Liebe zum säuselnden ebenso wie zum stürmischen Detail lässt er die Musiker seines Concerto Italiano Crescendi und Decrescendi ausformulieren - als rasante Berg- und Talfahrten mit enorm vielen Zwischenstationen. 1734 wurde Vivaldis "L’Olimpiade" uraufgeführt - ein typisches Stück sowohl für seine Zeit als auch für seinen Komponisten. Das ist tatsächlich Vivaldi in Bestform: ein Komponist mit einem ausgeprägten Sinn für Überraschungen und mit einer hinreißenden Lust auch an der musikalischen Umschreibung des Bühnenpersonals. Das gilt für den Klang seiner Musik ebenso wie für deren szenischen Charakter. Dabei ist das Libretto - und das ist eben das zweite Typische an dieser Oper - ein eindeutig barockes. Es steckt voller Verwirrungen und Anspielungen, voller transvestitischer Elemente: Unter der Herrschaft Clistenes, der während der olympischen Spiele auf Kreta eine Art Vorsitzender des Nationalen Olympischen Komitees ist, lieben sich zwei Paare mit wechselnden Neigungen, Verkleidungen, Namen und Erfolgsaussichten; am Ende geht alles fast noch schlecht aus, aber auch nur fast.
Die Details müssen einen zum Glück nicht interessieren (man verstünde sie ohnehin nicht alle). Denn wie bei guten Barockopern üblich, erwächst die Qualität des Stücks allein aus den zeitlosen Augenblicken großen Gefühls. Alessandrini lässt sie erscheinen, wie sie allein wirken: extrem. Man hört also extrem Schönes, extremes Leiden, extreme Freude - alles dicht neben- und gegeneinander. Außer der wunderschön leicht und sicher singenden Laura Giordano kann sich neben der wieder einmal mit ergreifendem Ausdruck singenden Sara Mingardo leider keiner der Sänger besonders profilieren. Die Altistin macht allerdings vor allem dann, wenn sie ihr Leiden in sanft-seidene Klangfarben taucht, manches vokale Defizit ihrer Kollegen spielend wett.
Zum Schluss noch: Die Sängerinnen auf dem Cover sind gar keine, sondern schreiben nur die Mädchenbilder-Manie des Labels fort. Dabei hätte man doch zu gerne Vivaldis dynamisches Feuer auch hier lodern gesehen.

Susanne Benda, 26.01.2003



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