Zu Unrecht haftet Vivaldi der Ruf eines reinen Orchesterkomponisten an, den er sich durch seine über vierhundert Instrumentalkonzerte erworben hat. Zunehmend wird er wieder als Opernkomponist entdeckt, als der er hauptsächlich seine Karriere bestritt. 94 Opern gibt Vivaldi selbst zu Protokoll, 46 Opern konnten nachgewiesen werden, von denen wiederum nur 21 erhalten geblieben sind. "La verità in cimento" ist die 13. Oper Vivaldis und wurde 1720 in Venedig uraufgeführt. Vivaldi hat auch hier wieder - nicht nur was die Librettowahl angeht - eine glückliche Hand bewiesen. Fast alle Arien und Ensembles dieser Oper sind neu komponiert und nicht aus anderen Stücken recycelt - eine Praxis, die damals durchaus üblich war -, und die hohe Wertschätzung Vivaldis für dieses Werk belegt. Die Oper liegt in mehreren Versionen vor; für die Einspielung wurde eigens eine sehr ansprechende Rekonstruktion des Stückes von erstaunlich dramatischer Kraft erarbeitet.
Sultan Mamud hat zwei Söhne: Melindo zeugte er mit seiner Gemahlin, der Sultanin Rustena, und Zelim mit seiner Lieblingsfrau Damira. Melindo soll Rosane, die Erbin des Sultanats Joghe, heiraten. In diese ist aber auch Zelim verliebt. Als zudem ans Licht kommt, dass die beiden Söhne kurz nach der Geburt vertauscht wurden, dass also eigentlich Zelim der rechtmäßige Thronerbe ist, ergeben sich neue Verwicklungen.
Dem Ensemble Matheus unter der Leitung von Jean-Christophe Spinosi gelingt eine engagierte, kontrastreiche Interpretation. Bereits in der pulsierenden Sinfonia zeigt sich das Können des Ensembles, das vor allem durch einen höchst aparten Orchesterklang besticht. Besonders farbenreich wird das Continuo durch Barockgitarre und Theorbe ergänzt. Berückend schön sind die Arien musiziert, die von originellen virtuosen Einfällen nur so strotzen und die in den langsamen Tempi eigentümlich zu Herzen gehen. Eine Glanzleistung auch des Sängerensembles, das durchweg mit flexiblen, geschmeidigen Stimmen aufwartet.

Karin Dietrich, 26.07.2003



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