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N° 1238
29.01. - 04.02.2022

nächste Aktualisierung
am 05.02.2022



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Antonio Vivaldi

Concerti per archi

Concerto Italiano, Rinaldo Alessandrini

Opus 111/harmonia mundi, Ops 30377
(66 Min., 2/2003) 1 CD

Auf dem Weg von der Opernouvertüre zur Sinfonie kann einem viel Unerwartetes begegnen. Wer immer dem gängigen Handbuchwissen traute und glaubte, dass sich die klassische Sinfonie recht glatt aus der italienischen Opernouvertüre entwickelt habe, der wird hier auf unterhaltsame Art und Weise eines Besseren belehrt. Denn auch die Form des kurzen dreisätzigen Streicherkonzerts, mit dem Vivaldi besonders in seinen späteren Jahren ausgiebig experimentierte, war eine höchst produktive Ideen-Werkstatt für die spätere Krone der "reinen" Orchestermusik. Neben der feurig-lärmenden Opernintroduktion münden hier die unterschiedlichsten Traditionen in immer neue Synthesen: die kontrapunktisch gearbeitete ernsthafte Kirchensonate schlägt ebenso durch wie die brillanten, unterschiedlichste Klangmöglichkeiten auslotenden Orchesteretüden, die Vivaldi für Venedigs berühmte Konservatorien lieferte. Den übersprudelnden Ideenreichtum, den Vivaldi hier einmal ganz ohne das Hilfsmittel solistischer Virtuosität über die ein bis zwei Minuten langen Sätze ausschüttet, kann man allerdings erst dann richtig würdigen, wenn man die Miniaturen wie hier der Reihe nach vergleichend hören kann. Dass das Ergebnis auch noch derart frisch und unakademisch wirkt, ist dabei nicht nur Vivaldis Verdienst, sondern auch das Alessandinis und seines Concerto Italiano: in kongenialer Weise verbinden sie Feuer mit Präzision und Sinn für Struktur mit vivaldianischem Denken in Klang. Sie befreien die Stücke endlich von der Rolle des Lückenbüßers, die ihnen in Vivaldi-Programmen sonst meist zukommt. Sogar mancher Skeptiker, der das Projekt einer Gesamteinspielung des in Turin aufbewahrten Notenarchivs des Komponisten angesichts seiner Präsenz auf dem CD-Markt für überflüssig hielt, könnte zum Umdenken bewegt werden.

Carsten Niemann, 24.07.2004



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