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Antonio Vivaldi

Flötenkonzerte RV 428, 429, 433, 434, 435, 437, 439, 440

Emmanuel Pahud, Australian Chamber Orchestra, Richard Tognetti

EMI 347 212-2
(66 Min., 7/2005) 1 CD

Hemmungslos, das heißt ohne krampfhaft nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu suchen, präsentieren die Musiker des australischen Kammerorchesters und seines Leiters Richard Tognetti mit dem Flötisten Emmanuel Pahud Vivaldis Musik. Die Musiker kennen sich gut, haben manche Uraufführung und viel Barockmusik zusammen gespielt und auch Vivaldis Musik intensiv gemeinsam studiert und auf Tourneen aufgeführt.
Das Faszinosum an diesem Programm ist die locker gespannte freudvolle Atmosphäre des gemeinsamen Musizierens; der Spaß der Musiker, sich gegenseitig Zuzuhören, zu erleben, wie jeden Einzelnen die Musik Vivaldis persönlich berührt. Diese Atmosphäre verleiht dem Programm eine faszinierend farbige, immer wieder ins friedvoll-ruhige einmündende Aura. Die bekannten Flötenkonzerte von Vivaldi umschmeicheln die Zuhörer. Emmanuel Pahud (erster Flötist bei den Berliner Philharmonikern und vielseitiger Solist) spielt seine Flöte mit Charakter. Er singt mit einschmeichelnder Stimme, er imitiert den Vogelgesang und besticht durch die Gelassenheit, mit der er schwierige Triller und Verzierungen nimmt, wie ein Balletttänzer, der gerade die größten Anstrengungen mit federleichtem Ausdruck gestaltet. Aber er dreht keine einsamen Pirouetten, alles ist motiviert aufs gemeinsame Konzertieren. Diese Aufnahme von Vivaldis Konzerten ist weit davon entfernt, ein Hintergrundgeplänkel zum Kaffee abzugeben, und auch Kerzenlicht wäre nicht die passende Beleuchtung für diese melodienreichen Werke. Diese Flötenkonzerte klingen nach Sonnenaufgang, nach Sonnenschein an der Lagune, buntem Treiben auf dem Markusplatz, erzählen vom Innehalten im Markusdom, Staunen vor den Kunstwerken Venedigs, der Heimat Vivaldis.
Wenn Musiker so ungeschützt und offen aufeinander zugehen und die verrücktesten Sachen versuchen, wie Emanuel Pahud erzählt, dann wird die Musik so lebendig und bekommt diesen erzählenden Tonfall, der uns für die Zeit des Hörens nach Venedig entführt.

Margarete Zander, 11.03.2006



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