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Johann Sebastian Bach, Dmitri Schostakowitsch, Franz Liszt

Werke für Klavier

David Theodor Schmidt

Hänssler Profil/Naxos 07071
(66 Min., 2/2007, 3/2007) 1 CD

Der Titel schmeckt uns nicht. "Bach Reflections", das klingt irgendwie überkandidelt, gezuckert, manieriert. Warum nicht einfach so: "Bach, Schostakowitsch, Liszt". Das genügt doch. Oder wenigstens so: "Bach und was auf ihn folgte an Meisterlichem"? Damit aber genug gemeckert. Denn Design und Inhalt gehen zusehend getrennte Wege. Und hat man sich das, was auf dieser Aufnahme geboten wird, zu Gemüte geführt, dann bleibt dem geneigten Hörer nichts Anderes übrig als zu sagen: Chapeau! Da ist ein Pianist, gerade mal 25 Jahre jung, und er spielt Bach mit einer Seriosität und mit einer Verve, die bestechend ist. Ein kerniger Tonfall waltet hier, der junge Mann scheint kräftige Finger zu haben. Aber es waltet überdies enormer gestalterischer Wille, der für die große e-Moll-Partita, Gipfelwerk der Gattung bei Bach, allerdings auch dringend vonnöten ist. Zweifel sind nicht erlaubt, diese Partita geht entschlossen ihren Weg durchs meist polyfone Dickicht. Doch jede Stimme kommt zur ihrem Recht, ist meisterlich geführt, in Beziehung gesetzt zu dem, was um sie herum geschieht. Feine Phrasierung, gestochen scharfe Artikulation. Was für alle Stücke gilt. Und auch den machtvollen Klang, der riesige Säle zu füllen mag und der, nicht unähnlich einer Orgel, vielleicht einen Hauch zu majestätisch und pompös ist, behält David Theodor Schmidt bei. Die Tempi sind bei Schostakowitschs d-Moll-Präludium und Fuge (einem Werk, das als krönender Abschluss des an Bach orientierten, in den Jahren 1950/51 entstandenen Zyklus gedacht ist) zwingend logisch und ausbalanciert, in sich wie im Kontext des Ganzen. Man darf staunen, wie souverän Schmidt hier proportioniert und wie er die gleichsam religiöse Dimension des Werks erfasst. Bleiben noch Liszts Variationen über ein Motiv von Bach (Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen). Auch dies: meisterlich. Virtuos. Gewaltig. Und, fast hätten wir’s vergessen: packend, ja, ergreifend. Großartig.

Tom Persich, 14.12.2007



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