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Henry Purcell, Johann Sebastian Bach, Johann Ludwig Bach

Lebenslust und Sterbekunst: Motetten und Kantaten

Balthasar-Neumann-Chor, Balthasar-Neumann-Ensemble, Thomas Hengelbrock

DHM/Sony BMG 88697 11570-2
(66 Min., 3/2007) 1 CD

"Wir", ruft der Chor in ruhiger Überzeugung, "wir wissen: so unser irdisches Haus zerbro ... ". Was war das? Eine dramatische Pause lang schweigt das gesamte Ensemble, zwei pochende Herzschläge lang. Erst dann setzt es seine Botschaft fort: "...chen wird, dass wir einen Bau haben, von Gott erbauet." Nicht nur auf das rhetorische Kunststück des Anfangs beschränkt sich das Meisterwerk von Johann Ludwig Bach, des genialen Vetters von Johann Sebastian. Wenig später wird sich der Chor aufspalten und den Bibelworten in raffinierter Collagetechnik einen Choral gegenüberstellen. Als blicke man von einer höheren Warte auf das Stück, erhellen sich die Texte gegenseitig: "Ach, ich habe schon erblicket, diese große Herrlichkeit" behauptet der erste Chor, "uns verlanget danach" antwortet ihm, den Fuß noch fest auf der Erde, Chor zwei.
Dass man Lust bekommen kann, sich über den meditativen Genuss mit den Inhalten der Stücke zu beschäftigen, liegt an der geglückten Mischung aus Werkauswahl, Interpretation und Präsentation dieser CD. Ihr Motto "Lebenslust und Sterbekunst" ist gut gewählt: beim Reflektieren über die Vergänglichkeit verlassen Thomas Hengelbrock und sein Ensemble nämlich nie die sinnlich-lebendige Lust am rhetorisch eindrucksvoll hervorgerufenen poetischen Bild. Man spürt: die Musiker haben eine klare Haltung sowohl zu Worten als auch Texten gefunden, und die daraus resultierende Überzeugungskraft hebt dann auch die Interpretationen der weiteren Werke aus der Menge der eindrucksvollen Paralleleinspielungen heraus: so Purcells Funeral Music auf Queen Mary und Bachs Kantaten BWV 131 und 150. Ein vernünftiger, esoterikfreier und religionsneutraler Essay des Philosophen Wilhelm Schmid im Beiheft rundet das gelungene Projekt ab.

Carsten Niemann, 14.12.2007



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