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N° 1282
03. - 09.12.2022

nächste Aktualisierung
am 10.12.2022



Mit Carl-Maria von Webers "Jubelmesse" und Robert Schumanns "Missa sacra" in c-Moll stellt der Dirigent Helmuth Froschauer zwei sehr unterschiedliche Werke einander gegenüber: Während Webers 1819 entstandene Vertonung des Messordinariums zum Repertoire vieler Kirchenchöre gehört, ist Robert Schumanns wesentlich komplexere Komposition von 1852 sehr selten zu hören; Schumann selbst erlebte keine vollständige Aufführung des Stücks, und auch nach seinem Tod regte sich Widerspruch gegen die Messe. Der liturgischen Verbreitung steht neben dieser Schwierigkeit vor allem die Länge von fast vierzig Minuten entgegen, die zeigt, dass der Protestant Schumann wohl keine Musik für den katholischen Gottesdienst, sondern für den Konzertsaal geschaffen hat.
Die Ausführung der beiden Stücke durch Rundfunkchor und -orchester des WDR ruft zwiespältige Gefühle hervor: Einerseits fasziniert die Klanggewalt, die ein Berufschor hervorzubringen vermag (allerdings sollten bei einem solchen Chor die gelegentlichen Mängel auf sprachlicher und intonatorischer Ebene nicht sein). Andererseits offenbart der sehr opernhafte Gestus der Darbietung, der auch für die Gesangssolisten gilt, die eher rückwärts gewandte Interpretationsauffassung des Ensembles: Unter den vielen jugendlichen, semiprofessionellen Gruppierungen der Gegenwart (z. B. Kammerchor Stuttgart, Collegium Vocale Gent), die sich aus der Perspektive der Alten Musik mehr und mehr auch dem romantischen Repertoire nähern, erscheinen die Rundfunkchöre mehr und mehr wie Fossilien, die ein Klangideal pflegen, das von den Entwicklungen der letzten Jahrzehnte in vieler Hinsicht unberührt geblieben ist.
Freilich: Den im 19. Jahrhundert aufblühenden großen Laienchören, von denen auch die beiden Messen dieser CD gesungen worden sind, entspricht weder die eine noch die andere Aufführungspraxis. So wie auf dieser CD kann man es sicher machen, aber eine durchsichtigere, differenziertere und stimmlich feinere Musizierweise hätte die Werke zu einem reizvolleren Hörerlebnis gemacht.

Michael Wersin, 28.03.2002



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