home

N° 1219
18. - 24.09.2021

nächste Aktualisierung
am 25.09.2021



Responsive image
Carl Maria von Weber

Abu Hassan, 1. Sinfonie

Jörg Dürmüller, Johanna Stojkovic, Franz-Josef Selig, Cappella Coloniensis, Bruno Weil

Deutsche Harmonia Mundi/BMG 05472 77979 2
(78 Min., 5/2002) 1 CD

Überraschend ist der Ehemann zu seiner schönen Frau ins Zimmer getreten, der Liebhaber zittert vor Angst im Versteck, da stolpert plötzlich ein Bote des Kalifen auf die Bühne. Wem will man jetzt ganz und gar nicht begegnen? Richtig: einem Erzähler, der den Fortgang der dramatischen Handlung nur berichtet. Das ist nur eine der Ungeschicklichkeiten, die den Reiz dieser musikalisch bezwingenden Aufnahme von Webers Abu Hassan (1811) schmälern. Hätte man die Sprechrollen des Stücks statt sie zu streichen allerdings mit professionellen Sprechern besetzt, wäre die allzu biedere Deklamation der Protagonisten noch stärker aufgefallen. Johanna Stojkovic und Jörg Dürmüller haben herrlich tibrierte Stimmen mit einer geradezu mozartisch tiefsinnigen Leichtigkeit, doch sobald sie zu reden anfangen, erinnern sie mit ihrem gekünstelten Singsang und ihrem affektierten Theaterlachen an Figuren aus einem schlechten Heimatfilm der sechziger Jahre. Schade, denn Bruno Weil hat Theaterblut und macht mit den exzellenten Holzbläsern der Capella Coloniensis vor, wie frech und gegenwärtig schon ein bloßer Oboenton klingen kann. Webers leichtgewichtiges, aber mit lustvoll charakterisierten Figuren, türkischem Kolorit und funkelndem Instrumentationswitz ausgestattes Frühwerk hätte jedenfalls nicht nur eine musikalische Wiederbelebung verdient; gelänge es den Sängern, in dem sorglosen und moralfreien Verschwenderehepaar Abu Hassan/Fatime Menschen von heute erkennbar zu machen, stünde einem Comeback des Einakters auf der Bühne nichts mehr entgegen.

Carsten Niemann, 15.11.2003



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Im Mondschatten: Während Neil Armstrong und Buzz Aldrin den Mond erkundeten, verbrachte Michael Collins, der dritte Astronaut im Bunde, pro Umrundung je 46:38 Minuten allein im Funkschatten des Erdtrabanten. Exakt so lang dauert auch dieses Album des Jazzpianisten Michael Wollny, der Parallelen zieht zwischen jenen historischen Ereignissen aus dem Jahr 1969 und der Corona-Pandemie. Die Einsamkeit ist hier der Konnex. So nahm Wollny, als die Welt aus den Fugen geriet, in Pandemie-bedingter, […] mehr


Abo

Top