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N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



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Carl Maria von Weber

Abu Hassan, 1. Sinfonie

Jörg Dürmüller, Johanna Stojkovic, Franz-Josef Selig, Cappella Coloniensis, Bruno Weil

Deutsche Harmonia Mundi/BMG 05472 77979 2
(78 Min., 5/2002) 1 CD

Überraschend ist der Ehemann zu seiner schönen Frau ins Zimmer getreten, der Liebhaber zittert vor Angst im Versteck, da stolpert plötzlich ein Bote des Kalifen auf die Bühne. Wem will man jetzt ganz und gar nicht begegnen? Richtig: einem Erzähler, der den Fortgang der dramatischen Handlung nur berichtet. Das ist nur eine der Ungeschicklichkeiten, die den Reiz dieser musikalisch bezwingenden Aufnahme von Webers Abu Hassan (1811) schmälern. Hätte man die Sprechrollen des Stücks statt sie zu streichen allerdings mit professionellen Sprechern besetzt, wäre die allzu biedere Deklamation der Protagonisten noch stärker aufgefallen. Johanna Stojkovic und Jörg Dürmüller haben herrlich tibrierte Stimmen mit einer geradezu mozartisch tiefsinnigen Leichtigkeit, doch sobald sie zu reden anfangen, erinnern sie mit ihrem gekünstelten Singsang und ihrem affektierten Theaterlachen an Figuren aus einem schlechten Heimatfilm der sechziger Jahre. Schade, denn Bruno Weil hat Theaterblut und macht mit den exzellenten Holzbläsern der Capella Coloniensis vor, wie frech und gegenwärtig schon ein bloßer Oboenton klingen kann. Webers leichtgewichtiges, aber mit lustvoll charakterisierten Figuren, türkischem Kolorit und funkelndem Instrumentationswitz ausgestattes Frühwerk hätte jedenfalls nicht nur eine musikalische Wiederbelebung verdient; gelänge es den Sängern, in dem sorglosen und moralfreien Verschwenderehepaar Abu Hassan/Fatime Menschen von heute erkennbar zu machen, stünde einem Comeback des Einakters auf der Bühne nichts mehr entgegen.

Carsten Niemann, 15.11.2003



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