Responsive image
Carl Maria von Weber

Abu Hassan, 1. Sinfonie

Jörg Dürmüller, Johanna Stojkovic, Franz-Josef Selig, Cappella Coloniensis, Bruno Weil

Deutsche Harmonia Mundi/BMG 05472 77979 2
(78 Min., 5/2002) 1 CD

Überraschend ist der Ehemann zu seiner schönen Frau ins Zimmer getreten, der Liebhaber zittert vor Angst im Versteck, da stolpert plötzlich ein Bote des Kalifen auf die Bühne. Wem will man jetzt ganz und gar nicht begegnen? Richtig: einem Erzähler, der den Fortgang der dramatischen Handlung nur berichtet. Das ist nur eine der Ungeschicklichkeiten, die den Reiz dieser musikalisch bezwingenden Aufnahme von Webers Abu Hassan (1811) schmälern. Hätte man die Sprechrollen des Stücks statt sie zu streichen allerdings mit professionellen Sprechern besetzt, wäre die allzu biedere Deklamation der Protagonisten noch stärker aufgefallen. Johanna Stojkovic und Jörg Dürmüller haben herrlich tibrierte Stimmen mit einer geradezu mozartisch tiefsinnigen Leichtigkeit, doch sobald sie zu reden anfangen, erinnern sie mit ihrem gekünstelten Singsang und ihrem affektierten Theaterlachen an Figuren aus einem schlechten Heimatfilm der sechziger Jahre. Schade, denn Bruno Weil hat Theaterblut und macht mit den exzellenten Holzbläsern der Capella Coloniensis vor, wie frech und gegenwärtig schon ein bloßer Oboenton klingen kann. Webers leichtgewichtiges, aber mit lustvoll charakterisierten Figuren, türkischem Kolorit und funkelndem Instrumentationswitz ausgestattes Frühwerk hätte jedenfalls nicht nur eine musikalische Wiederbelebung verdient; gelänge es den Sängern, in dem sorglosen und moralfreien Verschwenderehepaar Abu Hassan/Fatime Menschen von heute erkennbar zu machen, stünde einem Comeback des Einakters auf der Bühne nichts mehr entgegen.

Carsten Niemann, 15.11.2003



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Mit Leidenschaft: Zwischen Beethoven- und Schumann-Haus in der Bonner Brahmsstraße aufgewachsen – damit ist das Programm von Fabian Müllers neuer CD umrissen. Unter dem Titel „Passionato“, entlehnt von Ludwig van Beethovens Dauerbrenner-Klaviersonate und Expressivitätsgipfelwerk, bricht sich hier die Erregung, ja gar die aufgestaute Corona-Wut Bahn. In auftrittsarmen Zeiten bleibt freilich nur der diskografische Weg zum Ausdruck des eigenen Pianisten-Ichs. Es würde aber auch nicht […] mehr »


Top