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N° 1238
29.01. - 04.02.2022

nächste Aktualisierung
am 05.02.2022



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Anton Webern

Werke für Streichquartett und Streichtrio

Artis Quartett

Nimbus/Naxos NI 5668
(64 Min., 3/1999) 1 CD

Wenn es an dieser CD etwas zu kritisieren gibt, dann höchstens den Titel: Es handelt sich nicht um Weberns "Sämtliche Werke für Streichquartett und Streichtrio", denn jene frühen Drei Stücke (mit Sopransolo) finden sich auf der Einspielung des Wiener Artis-Quartetts nicht. Hier hat in Sachen Vollständigkeit das Emerson-Quartett (Deutsche Grammophon) die Nase vorn, doch wer deren – sehr empfehlenswerte! – Interpretationen hören will, muss sich eine Box mit Weberns Gesamtwerk (der Titel stimmt auch hier nicht) zulegen (siehe Rezension).
Das Artis-Quartett hat vor einigen Jahren schon einmal eine Aufnahme der Webern-Quartette vorgelegt, ohne die Trios (Sony, gestrichen), und im Vergleich mit dieser älteren Aufnahme hat das Ensemble noch einmal deutlich an Reife hinzugewonnen. Jene irrwitzigen Drahtseilakte ständig wechselnder Artikulationstechniken und Abstufungen niedrigster dynamischer Grade vor allem in den epigrammhaft kurzen Stücken opp. 5 und 9 meistern die Wiener Musiker mit ebenso großer Virtuosität wie die Emersons. Dem Emerson-Quartett, das eher die farbliche und technische Seite von Weberns Tonsprache betont, haben sie jedoch eine größere Ausdruckstiefe voraus. Hier wird nicht nur der Extremcharakter der Musik vorbildlich realisiert, sondern auch, woher diese scheinbar so vorbildlosen Klänge kommen: nämlich aus der romantischen und ganz besonders der Wiener Musiktradition, als deren logischer Endpunkt das Artis-Quartett sie interpretiert.
Die Musiker erfüllen mit dieser Haltung nicht nur die spätromantischen Quartettsätze des jugendlichen Webern, nicht nur die Sekunden-Psychogramme der Fünf Sätze op. 5 und der Sechs Bagatellen op. 9 mit einer Wärme, die der Musik selten zuteil wird, dieses Wunder gelingt ihnen auch in den scheinbar so spröden Werken aus der Reifezeit des Komponisten, die sie mit beseeltem Espressivo darbieten. In der österreichischen Musik der Spätromantik und Moderne ist das Artis-Quartett derzeit unschlagbar.

Thomas Schulz, 05.07.2001



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