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John Williams

Tree Song, Violinkonzert, 3 Stücke aus "Schindlers Liste"

Gil Shaham, Boston Symphony Orchestra, John Williams

Deutsche Grammophon 471 326-2
(66 Min., 10/1999, 10/2000) 1 CD

John Williams, der Sternenkrieger, der Haijäger, der Komponist des Saurier-Chorals, ist in Wahrheit ein sensibler, introvertierter und sogar ein bisschen akademischer Musiker. Sozusagen der Künstler Dr. Jekyll, der als Mr. Hyde Kohle macht - auch eine gute Art zu existieren, vorausgesetzt, man wäre nicht gerne (wie einst Bernstein) in Wirklichkeit Gustav Mahler.
Williams-der-Künstler ist weit bescheidener, und daraus erwächst seinen Kompositionen für den Konzertsaal oft eine eigenwillige Kraft, bei allem Eklektizismus. Sie stehen quasi unverlegen da, bei aller Subtilität ihrer Sache sicher. Subtiler als Williams’ Filmmusik, doch auf einer anderen Ebene wieder "filmisch" - Auftritt des Soloinstruments, dem der Orchesterpart gewissermaßen die Kulisse liefert, atmosphärisch dicht, leuchtend mitunter, dann wieder verhangen. So entsteht weniger ein Dialog, der das abendländische Entwicklungsprinzip beförderte, sondern vielmehr ein Kaleidoskop klanglicher Impressionen, worin die Veränderungen der Beleuchtung faszinieren.
Williams ist ein begnadeter Instrumentator, er nutzt die ganze Farbpalette des modernen Orchesters, und einiges darüber hinaus (z. B. die japanische Shakuhachi-Flöte). Poetisch-raunend porträtiert er Natur und Zeit im jüngsten Werk, "Tree Song" von 1999, experimentiert mit der Zwölftontechnik im Violinkonzert von 1974 (1998 revidiert) und jiddelt schamlos-romantisch in den 3 Stücken aus Steven Spielbergs Film "Schindlers Liste". Nicht übel, die Bandbreite, für einen Eklektiker.
Das Konzert berührt am meisten. Es bezieht sich von fern auf Alban Bergs Violinkonzert, der jungverstorbenen Manon Gropius gewidmet, "dem Andenken eines Engels". Williams’ Frau, die Schauspielerin und Sängerin Barbara Ruick Williams, war 1974 bei einem Unfall ums Leben gekommen, und der Komponist scheute nicht den Vergleich mit Berg. Das soll ihm nicht als Unbescheidenheit ausgelegt werden - in einem Interview sprach er von "einer Verneigung vor dem Unerreichbaren".
Gil Shaham, der Solist in allen drei Stücken, liefert exakt die rechte Farbe für diese Musik - glänzend und hochauflösend wie ein 70-mm-Film. Williams’ Hausorchester, die Bostoner Sinfoniker, folgen ihrem Maestro ebenso bedingungslos, er hat sie, die anfangs so über ihn lästerten, inzwischen "im Griff". Aber Kunststück auch: Unter dem Samthandschuh des Scheuen verbirgt sich die Eisenfaust des wahren Profis. Luxuriöser Klang.

Thomas Rübenacker, 18.10.2001



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