Responsive image
Johann Sebastian Bach

Concertos italiens

Alexandre Tharaud

harmonia mundi HMC 901871
(55 Min., 9/2004) 1 CD

Kaum eines großen Komponisten Lebensradius war so beschränkt wie der Johann Sebastian Bachs. Die Reise nach Hamburg beispielsweise muss schon als Ausnahme in seinem Dasein gelten. Doch im 18. Jahrhundert konnte es nicht anders geschehen: Das ferne Italien blieb nicht ohne Einfluss auf Bach, der es dem Adel auf seiner "grand tour" nur im Studium von Noten, besonders der italienischen Konzertliteratur nachtun konnte.
Den "italienischen" Bach präsentiert uns Alexandre Tharaud, der junge französische Pianist, der unter anderem mit Einspielungen von Rameau und Ravel Aufsehen und Begeisterung erregt hat. Und wenn es einen Bach gibt, der geeignet ist, atmosphärisch, stimmungsvoll oder bildhaft genannt zu werden, so finden wir ihn hier. Zwei Transkriptionen Bachs von Konzerten Antonio Vivaldis und zwei nach Alessandro beziehungsweise Benedetto Marcello sind vertreten. Außerdem zwei Transkriptionen, die Tharaud selbst von italianisierenden Sätzen aus den Konzerten BWV 596 und 979 angefertigt hat und die als sehr gelungene eigene Beiträge das Programm dieser CD eröffnen und schließen. Dazwischen steht noch das unvermeidliche "Italienische Konzert" aus der "Klavierübung".
Tharaud gelingt nicht nur wie schon angedeutet eine atmosphärische, sondern mit modernen Mitteln (einem Steinway D) eine lebendige, frische, kontrastierende aber eben auch nicht überbetonende Darstellung. Überall ist Klarheit und Durchsichtigkeit, aber keine Trockenheit, in den langsamen Sätzen kantable, ausschwingende Melodie, aber keine Seufzer-Seligkeit. Tharauds Rubati sind beschränkt und feinsinnig, ohne dem Rhythmus Einhalt zu geben, aber tauchen doch dort auf, wo es angebracht erscheint. Eine rundum gelungene Bereicherung des Bach-Repertoires.

Matthias Reisner, 23.04.2005



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Das ging fix! In Schumanns „Haushaltsbuch“ kann man nachlesen, wenn auch gewohnt kryptisch, wie rasch er mit der Arbeit an seinem Klaviertrio op. 110 vorankam: „1. Okt. 1851 Kompositionsgedanken, 2. Okt. Triogedanken, 3. Okt. 1. Satz fertig, 4. Okt. 2. Satz, 5. Okt. 3. Satz, Freude, 27. Okt. Probe zum Trio zum ersten Mal, Freude.“ Dabei war Schumann sonst nicht unbedingt ein Schnellschreiber wie etwa Mozart. Doch die vier Sätze wirken wie aus einem Guss, wie in einem Schaffensrausch zu […] mehr »


Top