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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



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Hugo Wolf

Prometheus Orchesterlieder

Juliane Banse, Dietrich Henschel, Rundfunkchor Berlin, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Kent Nagano

harmonia mundi HMC 901837
(69 Min., 11/2003, 7/2004, 12/2004) 1 CD

Nebenbei ist auch der Romantiker Eduard Mörike wieder zu entdecken. Mit welcher stillen Freude er den Jesusknaben malt, "auf dem Holz der Schmerzen eingeschlafen, das der fromme Meister, sinnvoll spielend, deinen leichten Träumen unterlegte". Es ist klar, Mörike beschreibt nur ein Bild, aber er macht es lebendig, schafft Bilder und Traumgefühle. Hugo Wolf findet dafür eine wunderbar sanfte, harmonisch weit ausgreifende Orchestersprache, einen vielfarbigen Grund, über dem engelhaft der Gesang von Juliane Banse schwebt. Warum nur fristet das Orchesterlied weiterhin ein Schattendasein zwischen vergleichsweise fahlem Klavierlied und viel zu dick aufgetragenem Operngesang. Ist das Orchesterlied, mehr noch als die Sinfonie, nicht die eigentliche musikalische Hochform der Romantik? Nicht nur bei Mahler und Strauss kommt einem dieser Gedanke, sondern durchaus auch bei der neuen Einspielung der Lieder von Hugo Wolf nach Texten von Eduard Mörike, Emanuel Geibel und Paul Heyse im "Spanischen Liederbuch", sowie Johann Wolfgang von Goethe. Wolf erfasst sofort den eigentümlichen Charakter, die Binnendramatik eines jeden Poems, sieht Details in den Figuren und vor allem: im Seelenleben seiner Helden. Er sieht die Gedichte gleich als Bilder, so scheint es, und die Bilder werden unvermittelt zu Klang. Kent Nagano scheint das ähnlich zu erfassen und dem Deutschen Symphonieorchester Berlin auch so zu vermitteln. Juliane Banse jedenfalls scheint sich wohl zu fühlen und frei genug, sehr persönlich und damit am überzeugendsten zu gestalten. Dietrich Henschel dagegen scheint oft ein wenig befangen oder zu überwältigt vom Werk, um sich vom Anspruch nach dem perfekten Kunstlied zu lösen. Den erfüllt er gleichwohl.

Helmut Mauró, 14.01.2006



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