Responsive image
Eugène Ysaÿe, Ludwig van Beethoven, Hanns Eisler

Streichtrios

Gaede Trio

Tacet 4 009850 009702
(61 Min., 2/1999) 1 CD

Das Streichtrio Ysaÿes ist, obwohl in den siebziger Jahren einige wenige Male aufgeführt, de facto völlig unbekannt. Thomas Selditz, der Bratscher des Gaede Trios, berichtete trotz dieser frühen Versuche mit verständlichem Enthusiasmus, sie "hätten ein Streichtrio von Ysaÿe ausgegraben". Es würde noch etwas dauern, bis sie es spielen könnten, denn es gäbe keine Partitur, nur handschriftliche Stimmen. Das Werk stellt atemberaubende Anforderungen, keiner der drei Mitspieler kommt leichter davon als der Ausführende einer der berühmten Violin-Solosonaten."
Das Streichtrio stellt sich bei dieser Einspielung als ein musikalisches Kleinod dar. Wüsste man nicht, von wem es stammt, käme man beim Hören zweifelsohne ins Schleudern. Faktur und Kolorit bewegen sich zwischen Spätromantik, Impressionismus und Schönberg-Umkreis. Erst die beschließende Presto-Stretta scheint leise auf das 19. Jahrhundert zurückzuweisen. Das Gaede Trio widmet sich diesem Fundstück mit der auch von ihren Schnittke- und Dohnányi-Einspielungen gewohnten Eindringlichkeit, Sorgfalt und Kompetenz. Fesselnd!
Bei Beethovens D-Dur-Serenade op. 8 meiden sie zu Gunsten kam-mermusikalisch dichter, introvertiert wirkender Atmosphäre alle reißerischen Posen. Für manchen Hörer mag das - zumindest streckenweise - vibratoarme Spiel und schlank bis spröd wirkende Tongebung zunächst irritierend wirken. Bei längerem Zu- und Hineinhören erwächst gerade hieraus ein Gewahrwerden der geglückten Balance zwischen Eigenwirkung der Serenade und Intensität des Spiels. Hier blendet kein Klangparfüm.

Wolfgang Wendel, 01.06.2000



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Den Dreh raus: Zu den Instrumenten, die im Laufe des 19. Jahrhunderts von der Bildfläche verschwinden, gehört die Drehleier. Mit ihrem Nachhall in den hohlen Winter-Quinten in Schuberts „Leiermann“ verabschiedet sie sich aus der Musikgeschichte. Dabei erfreute sie sich, als erstes Instrument, dass Saiten und Tastatur miteinander verband, das ganze Mittelalter hindurch noch eines hohen Ansehens, bevor sie zum Instrument der Bettler und fahrenden Musiker wurde. Den Höhepunkt ihrer […] mehr »


Top