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N° 1219
18. - 24.09.2021

nächste Aktualisierung
am 25.09.2021



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Richard Wagner

Wagner e Venezia - Ouvertüren und Vorspiele in Bearbeitungen für Salonmusik

Uri Caine Ensemble

Winter & Winter/Edel Contraire 910 013-2
(55 Min., 6/1997) 1 CD

Wagner und Venedig: eine heimliche Liebe in sechs Episoden mit Wagners Tod als "verklärendem" Abschluss. Das zweite Klassik-Experiment des New Yorker Jazz-Pianisten Uri Caine für die "New Edition" der Münchner Gebrüder Winter beginnt mit der Original-Geräuschkulisse im Gran Caffè Quadri auf der Piazza San Marco an einem lauen Juni-Tag des vergangenen Jahres. Caines New Yorker Salon-Sextett webt in ihn allmählich die morbide Melodie von Isoldes Liebestod hinein, als sei das die adäquate Kulisse für all die, die bei Kaffee und Kuchen vor sich hindösen, als sei die Zeit stehengeblieben, seit der "Meister" selbst zuletzt da saß.
Man wähnt sich mittendrin in dieser nostalgischen Szenerie, und sie nährt zunehmend den Verdacht, daß die Salonmusik mehr zum Ruhm manch großer Opernkomponisten beigetragen hat, als man heute wahrhaben will. So schön dekadent und morbid-süß klingt der Liebestod nicht einmal in Bayreuth, und wenn das Akkordeon gar den erhabenen Beginn der Tannhäuser-Ouvertüre folgen läßt, glaubt man sich bereits wohlig unter dem Wasserspiegel der Lagune
Uri Caine, der zuletzt bei Gustav Mahler selbst vor chirurgischen Eingriffen nicht zurückschreckte, hält sich bei Wagner merkwürdig zurück, als wolle er uns sagen: Wagner gehört im Unterschied zu Mahler der Geschichte an, ist ein Stück 19. Jahrhundert, sitzt noch immer im Caféhaus in Venedig und hört sich seine eigenen "Hits" an. Und wir unternehmen eine Zeitreise in die Vergangenheit, die uns die Droge Wagner "authentischer" erleben lässt als ein Dutzend Bayreuth-Besuche. Vielleicht hätte er seine Kultstätte doch besser in Venedig errichtet.

Attila Csampai, 31.01.1998



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