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Richard Wagner

Klaviertranskriptionen für vier Hände

Yaara Tal, Andreas Groethuysen

Sony SK 60142
(74 Min., 5/1997) 1 CD

Am Anfang steht Realsatire: Das Beiheft warnt vor dem “Narkotikum” Wagner. So schreiben Yaara Tal und Andreas Groethuysen, der Komponist hätte “eine Ahnung haben müssen von möglichen späteren Entfaltungsmöglichkeiten, (...) schließlich war Wagner ja ein höchst politischer Mensch.” Solche politisch höchst korrekten Vorworte werden demnächst wohl den heiligen Augustinus für die Kreuzzüge und Schiller für die Inszenierungen Frank Castorfs verantwortlich machen ...
Doch die beiden Pianisten spielen besser, als sie schreiben. Von ihrer feurigen Synchron-Kür lässt man sich zuerst auch gerne beeindrucken. Doch Fragen bleiben. Die vierhändigen Fassungen, so effektvoll sie sein mögen, vermitteln keinesfalls mehr von der Struktur etwa eines “Meistersinger”- oder “Parsifal”-Vorspiels als die Orchesterfassung, wie der Beiheft-Kommentar suggerieren möchte. Ein vierhändiger Walkürenritt ist für die Partitur etwa so instruktiv, wie es für den Motorsport die Fahrt über den Nürburgring mit einem frisierten Mofa bei 110 km/h wäre. Spannend mag so etwas ja sein. Trotzdem stellt sich die Frage, ob all diese Transkriptionen und Paraphrasen letztlich nicht Notlösungen sind, wie sie in CD-loser Zeit wohl legitim gewesen sein mögen. Das Vergnügen an derartigen Verrenkungen ist jedenfalls eher kurzlebig - eine Eigenschaft, die man dem Werk Wagners ansonsten wohl nicht nachsagen kann.

Matthias Kornemann, 30.06.1997



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