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Richard Wagner

Lohengrin

Peter Seiffert, Emily Magee u.a., Staatskapelle Berlin, Daniel Barenboim

Teldec/Warner Classics 3984 21484-2
(1/1998) 3 CDs

Dass die Berliner Staatsoper inzwischen das “Bayreuth Unter den Linden” genannt wird, verdankt sie neben ihrem Leiter einigen Ensemblemitgliedern, die die Weihen des Grünen Hügels längst empfangen haben. Die Ansprüche an die beiden Einspielungen Barenboims könnten also höher nicht sein. Sie werden, von kleinen Abstrichen abgesehen, auch erfüllt. Barenboim liebt behutsame Tempi. Auch wenn diese im “Lohengrin” dazu führen, dass einige Längen noch länger werden, kommen sie dem Ausleuchten der Seelenzustände der Figuren zugute. Die Staatskapelle erweist sich bei allem süffigen Klang als flexibel agierendes Ensemble. Dynamisch vermag sie vor allem in Streicher-Crescendi und -Kantilenen mitunter gar zu begeistern, wohingegen die Holzbläser sich noch mehr lyrischen Feinschliff angedeihen lassen könnten. Beeindruckend ist auch der höchst präsente Staatsopernchor, insbesondere seine Mannen, die bekanntlich quasi-solistische Dauerleistungen zu erbringen haben.
Peter Seiffert unterstreicht als Titelheld seine derzeitige Vorherrschaft auf dem Wagner-Terrain. Doch neben dem Heroischen verleiht er dem Menschlichen, Sehnsüchtigen, ja Ängstlichen Lohengrins kantablen Ausdruck. Emily Magees noch jugendliches Timbre scheint, sieht man vom schwächeren Mittelregister ab, wie geschaffen für die Reinheit Elsas. Deborah Polaskis Ortrud überzeugt nicht durchweg; sie kämpft mitunter mit den Höhen ihrer furienhaften, neidisch-hasserfüllten Protagonistin. Dagegen lassen die Männerrollen mit einem sonoren René Pape als König Heinrich, einem machtvollen Falk Struckmann als Telramund und einem fulminanten Roman Trekel als Heerrufer keine Wünsche offen.

Christoph Braun, 31.01.1999



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