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Richard Wagner

Orchesterstücke aus "Parsifal", "Tristan" und "Götterdämmerung", Siegfried-Idyll

Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR, Carl Schuricht

Hänssler/Naxos CD 93.019
(75 Min., 1950 - 1966) 1 CD, http://www.onlybeck.de/index_klassik.php?artnr=1000044673&bereich=klassik&partner=3

Wenn es einen unterschätzten Dirigenten gibt, dann ist es Karl Schuricht (1880-1967). Dass Hänssler nun die Schätze seiner späten Jahre beim SWR-Orchester Stuttgart aus den Archiven zu heben beginnt, ist eine längst überfällige Großtat. Die allerletzte Produktion, die der Sechsundachtzigjährige leitete, Vorspiel und Schluss des dritten Aktes aus "Parsifal", ist geradezu ein Denkmal seines vornehmen Künstlertums. Und eine Überraschung.
Schuricht kultiviert, obwohl er längst schwerkrank war, nicht die Züge des sklerotischen Aushauchens, ohne die Wagners "Weltabschiedswerk" für viele kaum auskommen kann. Er konzentriert sich ganz auf die Farbenmagie der Partitur, auf diese sachte Bewegung im nahezu Stillstehenden, als sei dies ein Werk Debussys. Wir hören absolute Musik, geradezu magisch fließend und schillernd, ganz betont dem Kontext des Erlösungs- und Erlöschensdramas entrückt. Dieser Zugang ist auch vor der Wirkungsgeschichte des "Parsifal" vertretbar. Man darf nicht vergessen, dass es harmonische und koloristische Schönheiten dieser Partitur waren, die im wagnertrunkenen Frankreich ihre Spuren hinterließen, weniger die privatmythologische Dimension des Werkes.
Beim "Tristan" war die Wirkung allerdings umfassender, hier ist der todestrunken-erotische Stoff untrennbar mit den musikalischen Mitteln verwachsen, und so ist Schurichts Aufnahme von 1954 auch ein wenig distanziert auf der bloß kapellmeisterlich-soliden Seite. Die Parsifalmusik aber, auch das Siegfried-Idyll, sind verfeinerte Beispiele eines pathosfern-geläuterten Musizierens.

Matthias Kornemann, 14.02.2002



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