Schon schön, dieser "Tannhäuser". Dass heißt - nicht so ganz. Wir lauschen. Und denken permanent an andere Aufnahmen, in denen genau der Augenblick, der uns gerade noch schön schien, aufregender, klarer, genauer, theatralischer und einfach besser klingt. Nehmen wir die Venus der Herta Wilfert. Das Beiheft will uns weiß machen, dass die erregend und verführerisch sei. Nun ja. In den fünfziger Jahren, als man sich nicht mehr daran erinnern konnte, dass es auch einmal dreißiger und vierziger Jahre gegeben hatte, als alles sauber und rein zu sein hatte, war sie das vielleicht. Hört man dagegen Grace Bumbry im Bayreuther Mitschnitt von 1962, verblasst Herta Wilfert zur biederen Hausfrau. Ganz abgesehen davon, dass sie nicht über den dramatischen Impetus Bumbrys gebietet.
Wolfgang Windgassen, jahrelang Bayreuths Tannhäuser vom Dienst, hat hier keinen guten Tag. Er setzt auf Expressivität - oft mit mangelnder Präzision. Auch Gré Brouwenstijns in der Höhe forcierte Elisabeth gleicht keiner Inkarnation blühenden Schöngesangs. André Cluytens dirigiert so kapellmeisterlich zuverlässig wie unspektakulär. Der wahre Gewinner des Sängerkriegs heißt Fischer-Dieskau, ein intelligenter, ausdrucksvoller Wolfram - und wirklich: schon schön.

Jochen Breiholz, 23.10.2004



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Das Fünfte Element: Als Protegée des 3. Duke of Essex lässt sich 1714 der italienische Violinist Francesco Geminiani in London nieder, unterrichtet und komponiert. Während Georg Friedrich Händel (letztlich erfolglos) versucht, der italienischen Oper ein Standbein in der Weltstadt zu verschaffen, ist Geminiani als Virtuose erfolgreich. Erst auf Konzerttournee durch Irland, dann auch in London selbst. Den Durchbruch verschafft ihm aber die Bearbeitung eines Meisterwerks: Seine Concerti […] mehr »


Top