Jeder, der eine konventionelle, ungebrochene "Meistersinger"-Inszenierung nach 1945 für gefährliche Verdrängung und indiskutable Geschichtsnegierung hält, wird Otto Schenks Met-Produktion ablehnen müssen. Genauso wie jeder, der traditionelle Inszenierungen grundsätzlich nicht toleriert und ausschließlich "Regietheater" gelten lässt. Wer dagegen nicht ganz so politisch korrekt ist und das Werk sehen möchte, wie es sonst auf keiner Bühne der Welt mehr zu sehen ist (was nicht heißt, dass er sich der Problematik der "Meistersinger" nicht bewusst wäre), wird sich dem Zauber dieser malerischen Museums-Inszenierung - Museum im besten Sinne des Wortes - nicht entziehen können.
Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Besetzung kaum zu übertreffen ist. Karita Mattilas strahlende Eva platzt geradezu vor Tatendrang, vor Energie, vor Lebenslust und -freude und -hunger. Thomas Allen liefert ein brillantes Kabinettstück als Beckmesser, und wir fragen uns, warum Eva nicht ihn nimmt. Ben Heppner als Stolzing singt zwar besser, spielt auch engagiert, bleibt aber als Persönlichkeit hinter seinen Kollegen zurück. James Morris‘ in sich ruhender, nachdenklicher Sachs ist mehr Poet als Schuster; René Pape verströmt balsamischen Wohlklang als Pogner; Matthew Polenzani ist ein quirliger, höhensicherer David und das Orchester unter James Levine in Bestform.

Jochen Breiholz, 22.01.2005



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