Wer Richard Wagner schätzt, den wird über kurz oder lang auch Neugier auf die Musik seines Sohnes Siegfried (1869-1930) packen. Siegfrieds erklärte Lieblingsoper "Der Kobold" ist sicher erste Wahl, wenn es darum geht, diese Neugier zu befriedigen. Lust auf die Begegnung mit weiteren Werken aus Siegfrieds Opernschmiede weckt sie allerdings nur sehr bedingt. Als immer stimmungsvoller und stellenweise brillanter Instrumentator hat Siegfried sein Wagnerhandwerk zwar durchaus gelernt. Und als Musikdramatiker setzt er durchaus auf das richtige Pferd, wenn er das Musikdrama Richard Wagners mit Märchen- und Spieloper zu kreuzen versucht. Doch dem Komponisten fehlen sowohl die Innovationskraft seines Vaters als auch die Naivität seines Lehrers Humperdinck. Und so kann die ebenso bedeutungsschwangere wie in ihrer Moral fragwürdige Geschichte, in der die unschuldige Verena, welche die umherirrende Seele eines von ihren Vorvätern getöteten Kindes durch den eigenen Opfertod erlöst, weder als Drama noch als Märchen überzeugen. Die wenigen Ansätze zu einer glaubhaften Personenschilderung macht die Sprache von Wagners Libretto zunichte, dessen Gestalten auf plakative Namen wie Trutz und Knorz hören, pseudomittelalterliche Vokabeln wie "minnige Maid" im Munde führen und dennoch unbekümmert zum "Walzer" aufspielen. Die Interpreten dieser Liveaufnahme bieten ihre ganze Professionalität auf, um den Schmarren zu retten. Unter ihnen ragt besonders die Sopranistin Rebecca Broberg in der Rolle der Verena heraus, wobei man ihr für die Zukunft nicht nur bedeutendere Partien wünscht, sondern statt Volker Horns auch einen Bühnenpartner, dessen Tenor in der Höhe vielleicht doch etwas weniger Spuren vergangener Heldentaten zeigt.

Carsten Niemann, 31.08.2007



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