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Johann Sebastian Bach

Sonaten und Partiten für Violine solo

Julia Fischer

PentaTone/Codaex PTC 5186 075
(150 Min., 12/2004) 2 CDs, 2 SACDs; Bonus-DVD mit Interview (10 Min.)

Nimmt man's mit den Details nicht ganz so genau, so könnte diese Aufnahme von Nathan Milstein stammen, vielleicht aus den späten sechziger, frühen siebziger Jahren. Hier wird mit stolz erhobenem Haupt gespielt, mit glänzendem, doch unaufdringlichem Ton, eindringlich, nie sentimental, hier wird aufs Ganze geschaut und nicht in Marginalien sich festgebissen. "Modern" nannte man das einst, und: großes Geigenspiel. Was heißt das für Julia Fischer? Zum einen leider, dass es ihr hier nicht gelungen ist, einen wesentlich neuen Beitrag zur Interpretation dieses für die Violinliteratur so zentralen Zyklus' zu leisten, schon gar nicht, wenn man Kriterien der historischen Aufführungspraxis in Anschlag bringt. Auf der anderen Seite aber heißt es: Hut ab vor so einem Talent! Wer im Alter von 21 Jahren die sechs Sonaten und Partiten technisch derart sicher, vor allem aber mit so großer musikalischer Übersicht, so abgeklärt und - etwa im sprühenden Allegro der zweiten Sonate - zugleich so mitreißend vital darstellen kann, hat viel erreicht und noch viel vor sich. Hoffentlich auch die eine oder andere Erfahrung, die es dieser wunderbaren Geigerin dann ermöglicht, auch auf altbekannte Dinge wie Bachs Sonaten und Partiten noch einmal neues Licht zu werfen.

Raoul Mörchen, 24.09.2005



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