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Samuel Wesley

Sinfonien

London Mozart Players, Matthias Bamert

Chandos/Koch 0 95115 98232 7
(71 Min., 5/1999) 1 CD

Ein "englischer Mozart" wurde er genannt, weil er schon mit acht Jahren große Werke komponierte, darunter ein vollständiges Oratorium. Das - und die Generation, in die er geboren wurde - ist aber auch das Einzige, was Samuel Wesley (1766-1837) mit Mozart gemein hat. Seine drei frühen Sinfonien in D-, A- und Es-Dur sowie die "Sinfonia obligato" - alles Werke, die Wesley als Teenager schrieb - erinnern eher an die Musik der Bach-Söhne, vor allem Johann Christian. Sie zeigen melodischen Einfallsreichtum, den Mut zu ungewöhnlichen Instrumentalkompositionen (die Soloinstrumente der "Sinfonia obligato" sind Geige, Cello und Orgel) und einen Einfluss, der zu dieser Zeit, zumal in England, gewiss ungewöhnlich war: Johann Sebastian Bach. Wesley verehrte ihn ein Leben lang; Spuren dieser Leidenschaft sind etwa im Kopfsatz der A-Dur-Sinfonie zu vernehmen.
1802, in der B-Dur-Sinfonie, Wesleys letztem Werk der Gattung, erweist er dem Haydn der Londoner Sinfonien seine Reverenz. Wesley hatte Haydns Auftritte in London ein Jahrzehnt früher gewiss aufmerksam verfolgt. Doch ist seine Sinfonie kein blasser Haydn-Abklatsch, sondern, etwa in der monothematischen Gestaltung des Finales, ein durchaus eigenständiges, stellenweise auch spannendes Werk. Matthias Bamert und das rhythmisch sensibel agierende Ensemble bürgen für kompetente und abwechslungsreiche Interpretationen.
Die Musikgeschichte muss nach dem Studium dieser Sinfonien nicht neu geschrieben werden, doch präsentiert diese CD einen Blick auf eine insgesamt kaum bekannte Phase der englischen Musik sowie, und allein das zählt, über siebzig Minuten Hörgenuss.

Thomas Schulz, 24.08.2000



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