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N° 1224
23. - 29.10.2021

nächste Aktualisierung
am 30.10.2021



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Emmanuele Barbella, Nicola Fiorenza

Konzerte, Sinfonien

Accademia per Musica, Christoph Timpe

Capriccio/Delta 10881
(70 Min., 5/2000) 1 CD

"Doch scheint Barbella die Musik recht gut zu verstehen und viel Einbildungskraft in seiner Komposition zu haben, die zuweilen in eine nicht unangenehme Raserei übergeht." So lautet das Neugier weckende Urteil, das der englische Europareisende und Musikkenner Charles Burney im Jahre 1772 über den neapolitanischen Geiger fällte. Ich glaube, er hat noch heute Recht. Wobei das Aufregende an Barbellas Kirchen- bzw. Violinkonzert vor allem in spleenigen Adagio-Einschüben und in durchaus ausgetüftelten harmonischen Ausweichungen besteht.
Was letztere betrifft, steht ihm der zweite neapolitanische Geigenmeister auf der CD nicht nach: Nicola Fiorenzas Concerti und Sinfonien für drei bis vier Violinen und Continuo beginnen zwar in der klassischen Gelassenheit und Klarheit Corellis, des vorvivaldianischen Modellkomponisten für Concerti aller Arten. Dann aber vexiert uns der 1764 gestorbene Fiorenza mit ausgedehnten harmonischen Ausschweifungen und spottenden Kurzmotiven, oder er schiebt ein Siciliano ein, dessen drastisch-archaische Melodiewendungen er echten Schäfern mit stinkenden Schafen abgelauscht haben dürfte.
Musik also, die uns beim barocken Candlelightdinner schon mal die Kerzen auspusten könnte, und welche die Accademia per Musica unter Christoph Timpe auch keineswegs glattbügelt. Zwar wird die musikalische Architektur gelassen aufgerichtet, die Tempi sind moderat, aber in der Spieltechnik gibt sich Timpe, der selber Geige spielende Spezialist für die historische Violintechnik Italiens, kompromisslos: Die Bögen werden mit sehr wenig Druck geführt, die kleinen Verzierungen betont fein und scharf gezeichnet. Dafür verzichtet Timpe auf den routiniert-feurigen Swing, mit dem andere Ensembles fadere Stellen aufpeppten, und auch die Spitzentöne dürfen bei seiner Bogenführung durchaus unangenehm quietschen. Interpretatorisch wie kompositorisch eigen und allemal des interessierten Hineinhörens wert.

Carsten Niemann, 31.01.2002



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