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Samuel Barber, Charles Ives, Arthur Foote, Aaron Copland

Adagio für Streicher, The Unanswered Question u.a.

Reinhold Friedrich, Lajos Lencsés, János Bálint, Budapester Streicher

Capriccio/Delta 10 505
(786 Min., 1994, 1995, 1998) 1 CD

Dies sind zwar lebendige und expressive, aber auch tendenziell grobe und wenig disziplinierte Interpretationen diverser Americana - Mixed Pickles mit Bekanntem (Barber-Adagio, Ives-Question, "Quiet City") und Unbekanntem (alles von Arthur Foote). Das heißt, die Darstellung ist unidiomatisch, statt amerikanischem Perfektionsdrang herrscht slawische Musizierlust. Die hat gewiss ihre Meriten, aber für diese exakt gearbeiteten, mitunter geradezu getüftelten Werke reicht sie nicht hin - etwa im Vergleich mit einem US-Ensemble, dem ebenfalls dirigentenlos aufspielenden Orpheus-Kammerorchester, einem echten Präzisionsmirakel.
Nun ist Präzision bekanntlich nicht alles, einem wirklich lebendigen Interpreten wird mancher Griff in den Schatten gern verziehen. Aber hier entsteht doch manchmal der Eindruck von Pauschalität, von gerade noch goutierbarem Durchschnitt - etwa beim Barber-Adagio, das nicht verklärende Introspektion ist, sondern einfach ein langsames Stück für Streicher (deren Klang im übrigen zur Schärfe neigt). Und bei dem geistreich gedrechselten Neobarock des Herrn Foote klingt’s so schwerfällig und sämig, dass man glaubt, die Besetzung hätte schlanker sein können. Es ist aber der Klanggestus, der schlanker sein müsste!
Erwähnen sollte man, dass die drei Solisten vorzüglich sind, vor allem Reinhold Friedrich, der Trompeter. Er lässt ahnen, was die Aufnahmen eigentlich hätten einlösen sollen.

Thomas Rübenacker, 18.01.2001



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