Naxos 8.559044
(64 Min., 1999 - 2001) 1 CD
Samuel Barber war wohl der "unamerkanischste" der großen amerikanischen Komponisten. Seine Musik hat weder mit den gängigen Richtungen der Musik Amerikas noch überhaupt mit der Moderne irgendetwas gemein. Man spürt es in jedem Takt: Barber sehnte sich zurück ins 19. Jahrhundert, in eine mondäne, friedliche Welt ohne Stress und Lebenskampf. Damit wäre er eigentlich der ideale Kandidat für einen dieser unsäglichen "Classic-Chill-Out"-Sampler, und ich möchte wetten, dass sein berühmtestes Werk, das Adagio für Streicher, auf nicht nur einer dieser Kompilationen vertreten ist.
Zu Barbers besten Werken gehört das Violinkonzert, in dem ihm die Großtat gelingt, alles unter einen Hut zu bringen, was ein nicht nur erfolgreiches, sondern auch qualitätvolles Solistenkonzert braucht: verschwenderischen Melodienreichtum, reichlich Futter für den Virtuosen, formale Ausgeglichenheit, geschmackvolle Instrumentation. Trotz aller Nähe zur Romantik spricht Barber hier seine eigene Sprache, und die ist, wie gesagt, so gar nicht amerikanisch.
James Buswells Interpretation kann sich in technischer wie auch in musikalischer Hinsicht hören lassen, und wäre dies die einzige Aufnahme des Werks - sie wäre eine glatte Empfehlung. Nun haben sich aber fast alle neuzeitlichen Virtuosen Barbers Konzert angenommen, und im Vergleich etwa mit Isaac Stern (Sony) oder Gil Shaham (DG) kann Buswell nicht mithalten - allzu nüchtern und vorsichtig ertönt bei ihm etwa das halsbrecherische Finale. Auch klingt mir das schottische Orchester etwas zu raubeinig für Barbers feinsinnige Klänge.
Der Rest der CD wird von Nebenwerken beansprucht, die alle nett anzuhören sind, aber letztlich zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus gehen. Wenigstens die Suite "Souvenirs" besticht gelegentlich mit scharmanter Nostalgie: besseres Repertoire für den Nachmittagstee.
Thomas Schulz, 10.01.2002
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