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Béla Bartók, Edvard Grieg, Manuel de Falla, Olivier Messiaen

Violinsonate Nr. 1, Violinsonate Nr. 3, Suite populaire espagnole, Quatuor pour la fin du temps (Ausschnitt)

Leila Josefowicz, John Novacek

Philips 456 571-2
(73 Min., 6/1997) 1 CD

Man sollte sich vor Augen halten, dass sich die junge Geigerin Leila Josefowicz - auch wenn sie einige wichtige Schritte bereits erfolgversprechend hinter sich gebracht hat - erst am Beginn eines Weges befindet. Bis zu den wirklich “Großen” ist es noch weit. Sie weiß das - nicht umsonst spricht sie mit Hochachtung von ihren Lehrern ...
Erfreulich bei ihrer ersten Duo-Einspielung ist die Repertoirewahl. In Manuel de Fallas Suite populaire espagnole (nicht in der originalen Reihenfolge und ohne Hinweis auf den Arrangeur Paul Kochanski gespielt) und Edvard Griegs ausdrucksstarker dritter Violinsonate c-Moll op. 45 zeigt die Geigerin bereits gut ausgeprägten Sinn für Idiomatik, Rhythmen, Farben. John Novacek sekundiert ebenbürtig.
Wie am Beginn einer Duopartnerschaft kaum anders zu erwarten, hat sich das Spiel der beiden Interpreten nur wenig über das durch die Musik geforderte Mindestmaß an Ineinandergreifen hinausentwickelt. Das Duo funktioniert mit der Perfektion eines Reißverschlusses. Bei de Falla mag das Fehlen einer “dritten Dimension” nicht so sehr ins Gewicht fallen, bei der Griegschen Sonate jedoch fehlt in den dramatischeren Partien raumerzeugendes Gestalten und die zwingende Unbedingtheit des Ausdrucks.
Bartóks Erste Violinsonate leidet - trotz perfekter Einzelleistungen - ebenfalls am nur additiven Zusammenwirken. Denkt man an Abel/Szidon, Kremer/Argerich, Zsigmondi/Niessen, wird man darüber hinaus auch die belebenden Parlando/Rubato-Anteile vermissen. Mit Messiaens “Louange à l'immortalité de Jésus” - aus dem Quatuor pour la fin du temps - vermögen die beiden Musiker meditationsnahe Stimmung zu erzeugen. Man hätte das Stück an das Ende der CD stellen sollen...

Wolfgang Wendel, 31.03.1998



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