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Béla Bartók

Konzert für Orchester, Der wunderbare Mandarin

Concertgebouw-Orchester Amsterdam, Riccardo Chailly

Decca 458 841-2
(71 Min., 5/1995, 5/1997) 1 CD

Die beiden Paradestücke für Orchester, die Bartók 1924 (Der wunderbare Mandarin) und 1943 (Konzert für Orchester) komponierte, sind oft und mit lautem Getöse niedergerungen worden. Dabei verlangen sie nach mehr als nur nach Starkstrom. Besonders die farcehafte Ballett-Pantomime um die Ermordung eines chinesischen Freiers, bei der Bartóks "Style barbare" nur eine Seite dieser genialen Klang-Medaille ist. Denn die tumultöse Raserei, die akkordischen Blöcke und Verästelungen sind nicht eine Frage der Lautstärke. Die sensualistische Hochkunst ist schließlich eine emotionsgesättigte Berg- und Talfahrt, bei der die Wehklagen und die geradezu verstummenden Seufzer ebenso effektvoll das Feuer entfachen.
Das Concertgebouw-Orchester unter Riccardo Chailly setzt genau auf diese Balance aus widerborstigem Temperament und atemlos machender Enge. Dabei bewegt Chailly die gewaltigen Proportionen mit bisweilen strawinskyschem Furor, um ihnen sofort die abgedunkelten Seelen-Ecken mit schimmernden Farbmischungen entgegen zu halten. Die klassische Moderne wird zu einem Psychokrimi, bei dem einem glücklicherweise trotz der Spannung das Hören nicht vergeht.
Mit gleichfalls subkutanen Ausdrucksdimensionen reibt Chailly das Konzert für Orchester auf. Statt Klassizismus, den viele seiner Dirigenten-Kollegen kultiviert haben, präsentiert Chailly ein mehrgliedriges Orchesterdrama. Und statt des Miteinanders von Kunst- und Volksmusik werden die Gegenkräfte mit faszinierender Wachheit herausgearbeitet, liefern sich Tradition und Aufbruch einen Wettkampf. Die Amsterdamer Musiker setzen das mit einer selten zu erlebenden Selbstverständlichkeit um.

Guido Fischer, 13.12.2001



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