80-jährige Altersweisheit? Boulez macht aus den Klavierkonzerten eins bis drei einen Bartók'schen Lebensbogen. 1926 wollte der 45-Jährige mit einem zeitgemäßen - und dann extrem herb ausgefallenen - Werk seine Pianisten-Karriere aufpäppeln. Die Holzbläser werfen vereinzelt kleine melodische Figuren zwischen das Stampfen des Schlagwerks. Ansonsten starre ostinate Blöcke. Zimerman spielt so perkussiv wie nur möglich, selbst in den freieren Passagen. Warum eigentlich? Will er Bartók vollends in die Atonalität prügeln? Ganz anders Nachwuchs-Kollege Andsnes, der mit dem Zweiten von 1933 (ein bewusst konträr gehaltener - ja, wie ein Rückzug erscheinender - Neoklassizismus) zugegeben eine dankbarere Aufgabe hat und diese elegant und weicher im Anschlag meistert. Es sind die Berliner Philharmoniker, die hier einen fabelhaft differenzierten Bläserklang bieten, bei dem jede Faser Holz und jeder Quadratmillimeter Blech schwingt.
Den weitesten Klang mit einer starken Tiefe in den Streichern bietet das London SO beim Dritten. Dieses schöne Alterswerk, 1945 im amerikanischen Exil geschrieben, füllt die Grimaud mit einem schönen und manchmal doch zu schönen Spiel. Alle drei Konzerte sind einzeln Meisterwerke der Moderne, aber hier erklingen sie als Fabel eines getriebenen, vertriebenen und am Schluss versöhnten Künstler-Lebens.

Olaf Dittmann, 21.05.2005



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