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Arnold Bax

Sinfonie Nr. 1 u. a.

Royal Scottish National Orchestra, David Lloyd-Jones

Naxos 8.553525
(64 Min., 1/1996) 1 CD

Den Sprung über den Kanal hat die Musik des britischen Sinfonikers Arnold Bax bis heute nicht geschafft. Das ist einerseits zu bedauern, andererseits aber lässt die Renaissance solch zwischen den Zeiten stehender Komponisten wie Zemlinsky oder Schmidt hoffen, dass auch Bax' Werke ihre Liebhaber finden werden.
Die Tonsprache von Bax bleibt bis zum Schluss spätromantisch geprägt; es findet aber zwischen den frühen Orchesterwerken und den späteren Sinfonien eine deutliche Entwicklung statt. Die klangliche Physiognomie der Tondichtungen "In The Faery Hills" (1909) und "The Garden of Fand" (1916) gemahnt an Debussy und Ravel, aber auch Schreker. Vorherrschend ist der Grundzug einer üppigen, etwas dekadenten Klanglichkeit. Ekstatische Chromatik und eine in allen Fin-de-siècle-Farben schillernde Instrumentation verbinden sich mit der elfenbevölkerten Sagenwelt der Themen zu einem Panorama musikalischen Jugendstils.
Mit der Ersten Sinfonie von 1921 ändert sich das Bild. Harmonischer Reichtum und Ereignisdichte sind geblieben, doch ist der Gesamteindruck kompakter und auch düsterer, die Klangsprache avancierter und die thematische Arbeit wesentlich ökonomischer. Herzpunkt des Werkes ist der langsame Mittelsatz, in seinem Changieren zwischen Überschwang und Tragik, Pathos und Psychose kennzeichnend für den reifen Bax.
David Lloyd-Jones´ Interpretationen tragen der luxuriösen Klanglichkeit der Werke ebenso Rechnung wie ihrer äußerst dichten motivischen Faktur. Nur gelegentlich klingt das Ergebnis etwas kühl und unbeteiligt; der emotionale Überdruck von Bax' Musik fordert die totale Identifikation seitens der Interpreten, um überzeugend zu wirken.

Thomas Schulz, 28.02.1998



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