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Arnold Bax

Sinfonie Nr. 4, Nympholept, Overture To A Picaresque Comedy

Royal Scottish National Orchestra, David Lloyd-Jones

Naxos 8.555343
(64 Min., 8/2000) 1 CD

Der Bax-Zyklus mit David Lloyd-Jones nähert sich allmählich dem Ende, und die Versprechungen seines Beginns mit der Sinfonie Nr. 1 (siehe Rezension) sind bislang mehr als erfüllt worden. Bax war ein hochindividueller Sinfoniker, der Einflüsse der Spätromantik und, vor allem, des französischen Impressionismus zu einem klang- und farbtrunkenen Personalstil zusammenfügte. Die ungeheure, gelegentlich fast unüberschaubare harmonische Dichte seiner Sprache macht es bei oberflächlichem Hinhören schwer, eine formale Organisation zu erkennen, die aber, auf permanenter Metamorphose des motivischen Materials beruhend, durchaus vorhanden ist.
Nötige Grundbedingung einer erfolgreichen Interpretation seiner Musik ist die hundertprozentige Identifikation mit ihrem stets fiebrig überhitzten emotionalen Gehalt bei gleichzeitiger analytischer Offenlegung des motivischen Geflechts sowie des klangfarblichen Spektrums. All dies wird von Lloyd-Jones und dem schottischen Orchester hervorragend eingelöst, wobei ein ebenso opulentes wie trennscharfes Klangbild kräftig zum Erfolg der Einspielung beiträgt.
Bax' 1931 Vierte eignet sich vielleicht am besten zum Einstieg in den Kosmos seiner sieben Sinfonien. Sie ist weniger düster als die ersten beiden, gelegentlich fast ausgelassen, und das Finale verschwindet nicht, wie sonst häufig bei Bax, im Nichts, sondern endet im Triumph. Trotzdem finden sich auch in diesem Werk allenthalben die für den Komponisten typischen Naturbeschwörungen - hier explizit maritimer Natur, laut Bax handelt es sich bei dem Werk um eine Meeres-Sinfonie.
Waldweben keltischen Ursprungs prägt hingegen die frühe Tondichtung "Nympholept", eine Komposition aus der Phase, in der Bax von der Landschaft, Dichtung und Mythologie Irlands geprägt war, seiner geistigen Wahlheimat. Wenig hat die Musik mit den folkloristisch-pastoral geprägten Naturbildern seiner britischen Komponistenkollegen gemein. Für Bax hatte die Natur stets etwas Magisches; er sehnte sich nach einem "Märchenland, in dem niemand altert und keine Schönheit schwindet". Demzufolge gibt es hier keine Anrufung von Folklore wie bei Vaughan Williams oder Butterworth, sondern dichtes orchestrales Zwielicht an der Grenze zum Rausch. Interpretation und Orchesterspiel lassen auch in diesem Stück keine Wünsche offen.

Thomas Schulz, 23.05.2002



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